Hamburg

Nato will Nordsee und Ärmelkanal stärker schützen

Hamburg (dpa) - Angesichts der Spannungen im Verhältnis zu Russland stärkt die Nato den Schutz der südlichen Nordsee und des Ärmelkanals. Eine entsprechende Vereinbarung unterzeichneten die Marinechefs aus Großbritannien, Frankreich, Belgien, Deutschland und den Niederlanden bei einem Treffen am Donnerstag in Hamburg. Ziel sei eine stärkere militärische Kooperation im Rahmen des für das Seegebiet zuständigen Channel Committee der Nato (CHANCOM), in dem die fünf Länder vertreten sind.

In Zeiten des Kalten Krieges sollte das CHANCOM vor allem die Nachschubwege der USA für die europäischen Verbündeten sichern. Nach Fall des Eisernen Vorhangs wurde es dann zu einem reinen Konsultationsgremium für die Marinechefs der beteiligten Länder.

In den zurückliegenden Jahren habe sich die strategische Lage in Europa verändert, heißt es in der Erklärung. Staaten und nicht staatliche Akteure stellten die auf Regeln bestehende internationale Ordnung zunehmend vor Herausforderungen. «Ihre Aktivitäten sind darauf ausgerichtet, den Zusammenhalt unsere demokratischen Gesellschaften zu schwächen und zielen auf unsere Verletzlichkeit, indem sie für Instabilität sorgen oder das Misstrauen der Menschen hinsichtlich der Schutzfähigkeit der Regierungen schüren.»

Freie Seewege zu den vier größten europäischen Häfen Rotterdam, Antwerpen, Hamburg und Bremerhaven seien entscheidend für Sicherheit und Prosperität Europas, sagte der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Andreas Krause, der in diesem Jahr den CHANCOM-Vorsitz führt. Zudem seien Kanal und Nordsee ein wichtiges Tor zur Ostsee. Auch deshalb habe das Seegebiet an strategischem Gewicht für die Landes- und Bündnisverteidigung gewonnen.

«Für uns bedeutet das, dass diese Region auch ob der Nähe der verschiedenen Nation enger zusammenarbeiten muss», sagte Krause. «In der Praxis heißt das, dass wir zusammen üben, unsere Aktivitäten aufeinander abstimmen und auch schauen, wie wir uns an Schnittstellen besser organisieren können.»

Die Bedrohungen seien heute vielfältig, betonte der Vizeadmiral und verwies zum einen auf die Annexion der Krim durch Russland 2014. Zugleich machte er aber auch deutlich: «Minen können durch jedwedes Schiff gelegt werden. Und hier kommt es darauf an, dass wir einen klaren Überblick haben, ob unsere Seewege tatsächlich frei und sicher sind.»