Kiel

Bei Pünktlichkeit im regionalen Bahnverkehr Norden am Ende

Berlin (dpa/lno) - Auf Regionalzüge der Deutschen Bahn müssen Fahrgäste in keinem anderen Flächenland so oft warten wie in Schleswig-Holstein. 89,8 Prozent der Züge waren im vergangenen Jahr pünktlich - das heißt nach Bahn-Definition: weniger als sechs Minuten zu spät. Nur Bremen mit 86 Prozent stand noch schlechter da, alle anderen Länder lagen über 90 Prozent. Das hatte Schleswig-Holstein in den Vorjahren auch deutlich geschafft. Die Werte teilte die Deutsche Bahn der Deutschen Presse-Agentur mit.

«Wir sind mit der Pünktlichkeit überhaupt nicht zufrieden, die DB hat schlicht ihre Seite des Vertrags nicht erfüllt», sagte Verkehrsstaatssekretär Thilo Rohlfs der Deutschen Presse-Agentur angesichts der Zahlen für 2018. Zugesichert ist eine Quote von 93 Prozent. «Leider ist die Infrastruktur viele Jahre auf Verschleiß gefahren worden und gleichzeitig sind die Zugkilometer angestiegen», sagte Rohlfs. «Deshalb machen wir jetzt Druck auf die Bahn - und es wirkt, wie sich an der Marschbahn zeigt, wo die Qualität seit dem Winter besser wird und endlich die Infrastruktur angegangen wird.» Die Ministeriumsspitze lasse sich wöchentlich detailliert berichten, wie sich die Pünktlichkeit und ungeplante Ausfälle entwickeln, sagte der Staatssekretär. «Wir werden nicht müde, die Eisenbahnverkehrsunternehmen daran zu erinnern, ihre vertraglich zugesicherten Leistungen zu erbringen.» Rohlfs verwies auf mögliche Vertrags- und Sonderstrafen.

Die CDU-Landtagsfraktion unterstützte ausdrücklich den Weg, auch Sanktionen zu verhängen. «Es wird höchste Zeit, dass die Bahn in Schleswig-Holstein pünktlicher und zuverlässiger wird», sagte der Parlamentarische Geschäftsführer, Hans-Jörn Arp. Jeder Zugausfall belaste Pendler, die zu den Stützen von Wirtschaft und Land gehörten.

Das benachbarte Hamburg kam 2018 mit 97,7 Prozent auf den besten Pünktlichkeitswert. Es folgte Berlin mit 97,3 Prozent. Bestes Flächenland war Mecklenburg-Vorpommern mit 96,6 Prozent.

Berlin und Hamburg schneiden auch deshalb so gut ab, weil die S-Bahn mitgezählt wird. Sie gilt ab vier beziehungsweise drei Minuten Verzug als verspätet, entlastet aber durch ihre kurzen Strecken und vielen Fahrten die Statistik. Im bundesweiten Durchschnitt waren im vergangenen Jahr 94,1 Prozent der Regionalzüge der Deutschen Bahn pünktlich, das waren 0,4 Punkte weniger als im Vorjahr.

S-Bahnen und Regionalzüge werden im Auftrag der Länder von den Verkehrsverbünden bestellt und bezuschusst. Bei Verspätungen können die Länder ihre Zahlungen kürzen. Beim Sylt-Verkehr hat Schleswig-Holstein das wiederholt getan.

Im Fernverkehr hatte die Bahn im vergangenen Jahr erhebliche Probleme, ihre Züge pünktlich ans Ziel zu bringen. Jeder vierte ICE, Intercity oder Eurocity kam 2018 zu spät. Im Nahverkehr sind schon wegen der kürzeren Strecken Verspätungen seltener.