Lübeck

Urteil im Misshandlungsprozess gegen Mutter erwartet

Lübeck (dpa/lno) - Im Misshandlungsprozess gegen eine 49 Jahre alte Mutter will das Landgericht Lübeck heute das Urteil verkünden. Die Frau aus Lensahn im Kreis Ostholstein soll jahrelang gegenüber Krankenkassen, Behörden und Ärzten behauptet haben, ihre Tochter und ihre drei Söhne litten an schweren chronischen Erkrankungen. Die Staatsanwaltschaft vermutet Geldgier und Geltungssucht als Motiv und hat zehn Jahre Haft für die 49-Jährige beantragt. Die Verteidigung sieht eine Mitschuld des Gesundheitssystems und hat deshalb eine milde Strafe gefordert.

Der Mutter wird schwere Misshandlung von Schutzbefohlenen in vier Fällen und gewerbsmäßiger Betrug in 17 Fällen vorgeworfen. Sie hat seit Beginn des Prozesses am 19. August geschwiegen. Nach Aussage einer psychiatrischen Sachverständigen leidet die Angeklagte an einem sogenannten Münchhausen-Stellvertretersyndrom, ist aber voll schuldfähig. Bei dieser psychischen Störung erfinden Eltern bei ihren Kindern Krankheitssymptome, um Aufmerksamkeit zu bekommen.