Schleswig-Holstein

Branche fordert Turbo für Ausbau von Ökostrom

Vorrang für Wind, Solar und Biogas: Die Ökostrom-Branche fordert von der Landesregierung einen Turbo beim Ausbau der erneuerbaren Energien. Vieles verzögere den Ausbau im Norden unnötig.

Kiel (dpa/lno) - Mehr Tempo beim Ausbau von Windkraft, Solar und Biogas hat die Ökostrom-Branche von Schleswig-Holsteins Landesregierung eingefordert. Die schwarz-grüne Koalition müsse «jetzt den Turbo für den Ausbau der erneuerbaren Energien zünden», sagte der Vorsitzende des Landesverbands Erneuerbare Energien, Reinhard Christiansen, am Donnerstag. Die Verbände fordern eine schnelle Überprüfung landesspezifischer Regelungen, die den Ausbau verzögern oder einschränken.

Außerdem verlangen sie eine Konkretisierung der Energieziele über 2030 hinaus. «Es fehlt eine Zielvorgabe, wie viele Terawattstunden pro Jahr erneuerbar produziert werden müssen, um 2040 erstes klimaneutrales Industrieland zu sein», sagte Geschäftsführer Marcus Hrach. Die Branche brauche Verlässlichkeit und Planbarkeit. Zur Verunsicherung trage auch die Diskussion über eine Abschöpfung von Gewinnen bei.

Nicht schnell genug geht den Verbänden das Aufstellen von Windrädern. Der Landesvorsitzende des Bundesverbandes Windenergie, Wolfgang Stapelfeldt, verwies auf das Regierungsziel, in sieben Jahren fast dreimal so viel Windstrom zu produzieren wie heute. «Um dies zu ermöglichen, braucht die Branche jetzt weniger Bürokratie und vor allem mehr Beschleunigung bei den Genehmigungsverfahren.» Laut Verband steht die Genehmigung von 360 Windrädern aus. Bis Ende September seien 46 Prozent weniger Genehmigungen erteilt worden als im Vorjahreszeitraum.

Früheren Angaben des Verbandes zufolge wurden in Schleswig-Holstein von Januar bis September 92 neue Windenergieanlagen in Betrieb genommen und damit die meisten in Deutschland. Neu genehmigt wurden bundesweit 524 Anlagen mit einer Gesamtleistung von rund 2750 Megawatt. Die meisten Genehmigungen entfielen demnach auf Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein.

Bisher sind etwas über 2 Prozent der Landesfläche für Windkraft ausgewiesen. Viele Windkraft-Flächen im Norden würden unter anderem durch Höhenbeschränkungen für Anlagen aber nicht optimal ausgenutzt, sagte Hrach. «Nur 1,1 Prozent der Landesfläche stehen derzeit für die Bebauung mit modernen Anlagen zur Verfügung.» Schnellstmöglich seien neue Regionalpläne nötig sowie mehr Personal für Genehmigungsbehörden und Gerichte.

Ein konkretes Ausbauziel vermisst die Branche auch im Bereich der Solaranlagen. Zudem würden im geltenden Solarerlass Flächen pauschal ausgeschlossen, sagte Hrach. Das entspreche nicht mehr der aktuellen gesetzlichen Grundlage. Ein Bekenntnis der Regierung forderte die Branche zu bestehenden Biogas-Anlagen. «Angesichts der Energiekrise ist das Land gefordert, den Anschluss an das Gasnetz für die Biogasanlagenbetreiber zu erleichtern und somit die Abhängigkeit Schleswig-Holsteins vom fossilen Gas zu reduzieren», sagte Hrach.

Als positiv werte Verbandschef Christiansen dagegen das Bekenntnis zu grünem Wasserstoff.

Nach Überzeugung von Energiewendeminister Tobias Goldschmidt (Grüne) ist Schleswig-Holstein bei der Energiewende gut aufgestellt. Kein Land habe in diesem Jahr mehr Windkraft zugebaut, kein Land habe so viel Windkraft pro Fläche installiert und kein Land habe eine so tatkräftige Energiewendewirtschaft wie Schleswig-Holstein. «Klar ist aber auch, dass wir angesichts der riesigen Herausforderungen noch deutlich mehr tun müssen. Das gilt für das Land ebenso wie für die Unternehmen.» Der Erneuerbaren-Branche dürfe durch bürokratische Gewinnabschöpfungen keine Steine in den Weg gelegt werden.

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