Kiel

Zahl der Straftaten in Schleswig-Holstein weiter gesunken

Kiel (dpa/lno) - Weniger Einbrüche, weniger Diebstähle, aber deutlich mehr Probleme mit falschen Polizisten: Die Polizei hat in Schleswig-Holstein im vergangenen Jahr so wenige Straftaten registriert wie seit fast 40 Jahren nicht mehr. Insgesamt wurden der Polizei 186 894 Fälle gemeldet, wie Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU) bei der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik für 2018 am Donnerstag sagte. Das waren 2085 Delikte oder 1,1 Prozent weniger als 2017. Gestiegen ist im Vorjahresvergleich die Aufklärungsquote von 53,9 Prozent auf 54,5 Prozent - höher war sie zuletzt 1963 mit 55,6 Prozent.

Sank die Zahl aller registrierten Straftaten auf den niedrigsten Stand seit 1979, lag die Zahl der Diebstähle im vergangenen Jahr mit rund 74 000 Taten sogar auf dem niedrigsten Stand seit 1969. «1993 waren noch fast 100 000 Diebstahlsdelikte mehr registriert worden», sagte Grote. Rückgänge habe es auch bei Einbrüchen um 9,5 Prozent auf 4891 Fälle gegeben. «Das entspricht damit dem Stand von 2002.»

Rückläufig waren auch Raub (minus 9,9 Prozent), Autodiebstahl (15,5) und Leistungskreditbetrug (26,6). Zugänge gab es bei Warenbetrug (15,3), sexueller Belästigung (29,5), Verbreitung pornografischer Schriften (37,2) und Mord (46,7). Weiter zu nimmt auch die Rauschgift-Kriminalität. Erstmals wurden 2018 mehr als 10 000 Taten erfasst, fast 600 mehr als 2017. Vier von fünf Taten sind sogenannte Konsumdelikte.

Opfer von Gewalt werden auch immer mehr Beamte. Im vergangenen Jahr gab es 1290 Fälle, die 2658 Beamte betrafen. «Damit wurden rechnerisch etwa 40 Prozent unserer 6600 Polizeikräfte im Dienst angegriffen», sagte Grote.

Polizisten ermittelten im nördlichsten Bundesland 71 169 Tatverdächtige, 1572 weniger als im Vorjahr. Rechnet man ausländerrechtliche Delikte ab, betrug der Anteil ausländischer Tatverdächtiger 23,7 Prozent. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung beträgt aber nur 8,8 Prozent. Grote warnte vor voreiligen Schlüssen zum Vergleich der Kriminalität zwischen Deutschen und Ausländern. Genaue Erkenntnisse sollen durch eine Studie vorliegen.

Bei 9,1 Prozent der ermittelten Tatverdächtigen handelte es sich um Zuwanderer. «Sie sind zu fast 90 Prozent männlich und zu zwei Drittel unter 30 Jahre alt», sagte der Leitende Kriminaldirektor Peter Fritzsche. Am häufigsten werden ihnen Rohheitsdelikte und Diebstähle vorgeworfen.

Sorgen bereitet den Behörden die Kriminalität zum Nachteil älterer Menschen beispielsweise durch den Enkeltrick oder Anrufe falscher Polizisten. Die Zahl der gemeldeten Fälle nach Anrufen falscher Polizisten stieg von 674 im Jahr 2017 auf 2002. 31 Mal hatten Täter damit Erfolg. Der Gesamtschaden betrug knapp 1,6 Millionen Euro allein in Schleswig-Holstein. «In Nordrhein-Westfalen betrug der Schaden mindestens das Zehnfache», sagte Fritzsche.

Die Täter agieren organisiert auf drei Ebenen: Anrufer, Logistiker und Abholer. Erst wenn Letztere vor Ort seien, würden die Anrufe erfolgen, sagte Fritzsche. Die Opfer sollen keine Zeit haben, nach einem Anruf Hilfe zu holen. Eine großer Anteil der Anrufe erfolgt aus Callcentern in der Türkei, meist von Menschen, die in Deutschland sozialisiert waren. Deren Deutsch sei allerdings «teilweise grottenschlecht».

Erst vor kurzem gelang Ermittlern in Zusammenarbeit mit der hessischen Polizei in Frankfurt ein Schlag gegen entsprechende Clans. «Schwierigkeiten gibt es aber bei der Bekämpfung der obersten Ebene in der Türkei.» Fritzsche rät älteren Menschen zur Vorsicht: «Die Polizei ruft sie nicht an, wenn sie in Gefahr sind.»