Wort zum Sonntag

Kunstgestopft

45 Jahre hatten sie sich nicht gesehen. Jetzt sitzen die Cousinen beisammen. Tauschen Fotos und Erinnerungen. Stecken ihre Köpfe zusammen über den Tagebüchern des Großvaters. Gemeinsame Geschichte. Familienwurzeln. Sie entdecken sich wieder. Tränen und Lachen besiegeln die Wiedersehensfreude. Mit 15 hatten sie sich zuletzt gesehen. Jede zog damals ihrer Wege. Entzweit hatten sie sich nicht. Nur das Leben war anders durch sie hindurchgegangen. War es wie ein Riss? Es schien so. Damals in den 70ern. Mit wilden Feten für die eine. Mit lila Latzhose und `Jute statt Plastik’ die andere. Jetzt knüpfen sie erneut ihre Bande und merken, dass das Vertraute schnell wieder durchschimmert durch die Kluft erfahrener Jahre. Großvaters Spuren helfen. Und die Neugier hilft. Was hast du erlebt? Wie denkst du über ...? Oh, in Jordanien warst du, erzähl. So geht’s, wenn es bei den Sprüchen Salomos heißt: Alles hat seine Zeit. Zerreißen hat seine Zeit, zunähen hat seine Zeit; schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit. Gott holt wieder hervor, was vergangen ist.

von Pastorin Ina Brinkmann, Büsum

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