125 Jahre Wattenlaufen mit Musik
Normalerweise geht es gleich bei musikalischer Begleitung hinaus ins Watt, doch an diesem Tag ergreifen Robert Kowitz, Geschäftsführer des Tourismus Marketing Service Büsum, und Bürgermeister Oliver Kumbartzky zunächst das Wort. Denn es gibt etwas zu feiern: Das Wattenlaufen mit Musik gibt es nämlich seit 1900, also seit 125 Jahren.
Die Veranstaltung ist eine Tradition, die an der Nordseeküste einzigartig ist. Die Idee stammt von Alfred Rehder, ein Badegast und Fan des Büsumer Watts, der 1900 das erste Mal ein Orchester engagierte und mit Freunden, Verwandten und der Kapelle ins Watt zog. 1927 wurde der Begriff Wattenlaufen sogar ins Klinische Wörterbuch von Otto Dornblüth aufgenommen: „Wattenlaufen ist therapeutischer Sport, Laufen auf dem weichen, nachgiebigen Wattenboden, in Büsum bei Heide.“
Angeleitet wird der Spaziergang durch das Watt seit 2019 von Momme Claußen. Er ist der Wattenpräsident, zu erkennen an der dunklen Kapitänsmütze, dem gestreiften Fischerhemd und einem Stab mit Blumenstrauß am Ende in der Hand. „Früher hieß es noch Wattenkaiser und nicht Wattenpräsident“, so Kowitz. Die Resonanz auf das Angebot sei immer sehr gut, so würden regelmäßig Hunderte Teilnehmer mit ins Watt ziehen. „Das Wattenlaufen mit Musik ist ein kultureller Hochgenuss“, sagt Kumbartzky. „Es ist eine Mischung aus Freizeit und Wellness und außerdem ein echtes Survivaltraining für die Musiker, die ihre schweren Instrumente schleppen müssen.“
Statt der Kurkapelle sind es seit zwei Jahren die fünf Hamburger Musiker der Gruppe „mahoin“, die für die Musik sorgen. Nach jedem gespielten Seemannslied folgt tosender Applaus. Und überall sind Handys zu sehen, die den Moment für die Ewigkeit auf Video festhalten.
Doch das Wattenlaufen mit Musik zeichnet sich auch durch die unterschiedlichsten Spiele aus, bei denen sowohl die Kleinsten als auch ihre Eltern mit eingebunden werden. So werden beispielsweise Eierlaufen, aber auch Tauziehen auf dem rilligen Wattenboden gespielt. Außerdem gibt es eine Polonaise, bei der sich zeigt, wie viele Menschen das Angebot tatsächlich wahrnehmen.
Als Unterstützung hat Claußen seinen „Wattenpräsident Assistant“ dabei: Hauke Bubel. Er zieht unter anderem den Wagen, in dem sich die verschiedenen Utensilien für die Spiele befinden. Der wichtigste Teil kommt nämlich erst noch, und zwar beim Erreichen des Priels: die Taufe mit Nordseewasser. Kinder und Erwachsene werden mit einem Schuss Nordseewasser übergossen und erhalten im Anschluss eine Taufurkunde. Für die Kinder gibt es außerdem einen leckeren Weingummi-Wattwurm, die Erwachsenen freuen sich über einen kleinen Schnaps.
Im Hintergrund ist dabei immer die fröhliche Musik von „mahoin“ zu hören: Klassiker wie „An der Nordseeküste“ von Klaus und Klaus, bei dem das Publikum lächelnd mitsingt und -schunkelt, aber auch Lieder wie „Bella Ciao“ und „Wellerman“.
Insgesamt dauert das Wattenlaufen zwischen 90 und 120 Minuten. Wer das Wattenlaufen mit Musik verpasst hat, hat in diesem Jahr noch einige weitere Termine zur Auswahl. So geht es am Donnerstag, 31. Juli, um 11 Uhr mit der Band „mahoin“ ins Watt, ebenso am Montag, 4. August, um 14 Uhr. Am Montag, 18. August, sorgen der Oelixdorfer Musikzug und die Cirencester Silver Band um 14 Uhr für die musikalische Untermalung. Den Abschluss bildet in diesem Jahr Freitag, 12. September, wenn „mahoin“ noch einmal um 11 Uhr für die Teilnehmer spielt.
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