Eider Harde schockt den Spitzenreiter
Die Handballer von Trainer Matthias Hinrichsen landeten nämlich nach dem famosen Heimsieg über den Tabellenzweiten Füchse Berlin vor zwei Wochen den nächsten Coup und schlugen Spitzenreiter Eintracht Hildesheim vor knapp 500 restlos begeisterten Zuschauern in der Hohner Sporthalle mit 33:30 (18:14). Hashtag Favoritenschreck: Der nächste Titelanwärter der 3. Liga Nord-Ost muss in der Werner-Kuhrt-Halle Federn lassen. Das Stimmungsbarometer? Auf Anschlag. Schon fünf Minuten vor Abpfiff erhob sich die Tribüne und feierte ihr Team. „Mehr geht nicht, richtig geile Stimmung“, jubelte Hinrichsen.
Der Coach aber war es, der den Grundstein für den Überraschungserfolg legte. Mit einer Taktik aus der Trickkiste. Und mit einer Starting Seven, mit der wohl niemand gerechnet hätte. Selbst die Verwirrung war verwirrt.
Die Aufstellung von links nach rechts: Malte Abelmann-Brockmann, Jannis Schneider, Finn-Luca Bies, Jannik Oettershagen, Sören Hartwich, Max Dau am Kreis und Jorge Schmidt im Tor. Hinrichsen verzichtete auf die etatmäßigen Außen und Halblinken und zunächst auch auf Thore Heinemann – eine Reaktion auf die Hildesheimer Spezialität: die sehr offensive 3:3-Abwehr. „Ich habe drei Spiele ausgewertet, die Eintracht profitiert extrem von ihrer Abwehr und den daraus resultierenden Ballgewinnen. Normalerweise machen sie fast 50 Prozent ihrer Tore mit Tempogegenstößen. Umso mehr wollte ich sie ins Spiel Sechs gegen Sechs zwingen. Dafür brauchte ich mehr als sonst vorne ballsichere Spieler. Außerdem wollten wir viel mit Einläufern von den Außenpositionen arbeiten. Der Plan ist aufgegangen.“ Wohl wahr.
Die Gäste konnten weder etwas mit dem unorthodoxen Angriff der HSG anfangen, noch griff ihr übliches Konterspiel. Im gebundenen Spiel unterliefen ihnen zudem zig technische Fehler.
Die HSG führte mit 16:11. Weil einfach alle Asse stachen. Die Defensive mit Schneider, Dau und Heinemann machte einen Bombenjob. Vorne fanden die Gastgeber beste Lösungen – auch als es nach Wiederanpfiff kritisch wurde, die Hildesheimer Tor um Tor aufholten und sogar Mitte der zweiten Hälfte mehrmals in Führung gehen konnten. Am Ende haderte, aufgemerkt, ehe der Sieger mit den Schiedsrichtern als der Verlierer: die pfiffgen elf Siebenmeter für die Gäste und nur zwei für die HSG, die dafür bei den Zeitstrafen (6:2), nun ja, vorne lag.
Trotzdem hielten die Eider-Handballer, die ohne ihren Kapitän Georg Rohwer (Oberschenkel) antreten mussten, mit Mann und Maus dagegen. Nicht nur das, am Ende zog die HSG das Spiel nach Hause. Über die Gründe lließe sich ein halbes Romankapitel schreiben. Nur ein kurzer Abriss an dieser Stelle: Weil Sören Hartwich eine sensationelle Partie und vor allem Schlussphase spielte, in der er quasi im Alleingang von 27:27 auf 30:27 stellte, weil Malte Abelmann-Brockmann sein wohl bestes Spiel im Eider-Dress ablieferte, weil Keeper Jorge Schmidt einmal mehr unzählige freie Bälle hielt, weil der A-Jugendliche Paul Jonas sowie Linksaußen Kevin Hamann auf der Mitte kurzzeitig für Entlastung sorgen konnten, weil Routinier Jannik Oettershagen, der zuletzt kaum eine Rolle auf dem Feld spielte, einfach mal fünfmal knipste. Und, und, und.
Somit wandern die Punkte 18 und 19 aufs Konto der HSG, Tabellenplatz neun kann ihr so schnell niemand mehr streitig machen. Geht nicht, gibt’s eben wirklich nicht. Was wiederum eine Warnung ist: Am nächsten Freitag steht das Kontrastprogramm in der Hohner Halle auf dem Programm, dann erwartet die HSG den Tabellenletzten aus Leipzig.
HSG Eider Harde: Schmidt, Haack – T. Heckel, Kock, J. Oettershagen (5), Schneider (1), Mumm, Heinemann (5), Hartwich (8), Dau (1), Abelmann-Brockmann (9/2), Glumm, Frahm, Bies (4), Hamann, Jonas.
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