Ich frag für’n Freund: Die Sache mit dem Urlaub
Strand, Wein, abschalten, Wein, entspannen, Wein. Diese Worte hatten mich als tröstende Begleiter und Seelenstreichler die letzten Kilometer bis zu unserem Campingplatz in Frankreich begleitet. Vor vier Stunden hatte mir eine Angestellte des Platzes per Telefon und in einem kniffligen Französisch-Englisch-Mix auf einem Moloch von Raststätte versucht zu erklären, warum das Mieten zusätzlicher Bettdecken eine tolle Sache sei, nun stand vor mir eine fragende Familie, hinter ihnen ein Berg aus rosa Bettlaken aus einem gummiähnlichen Material. Ich hätte vor vier Stunden einfach auflegen sollen.
Aber egal. Mittlerweile hatten sich fast alle Kinder zum Pool aufgemacht, nutzten den Weg dorthin umgehend, um den Campingplatz lärmend von ihrer Ankunft zu unterrichten. Zwischen mir und Strand, Wein, abschalten, Wein, entspannen, Wein stand nun nur noch die jüngste Tochter, die sich überraschend leicht mit dem Vorschlag abwimmeln ließ, ein besonders großes Bild zu malen. 20 Minuten schwiegen meine Frau und ich uns zufrieden auf der Veranda vor dem Haus an, dann beendete die Malerin den Frieden mit dem Versprechen, ein wirklich wunderschönes und sogar extrem großes Bild erschaffen zu haben.
Das erste Glas Wein hatte meine Frau und mich mit einer gewissen Basis an Gutmütigkeit ausgestattet, wir folgten also der Fünfjährigen entspannt lächelnd, dann sahen wir ihr Bild, sie hatte es mit einem herumliegenden Nagel über die gesamte Breite unseres Busses in den Lack geritzt.
Der Lackierer schätzte das Werk später auf rund 5000 Euro und wir nehmen in den nächsten Urlaub wieder Blöcke mit.
Oder eine kurze Leine. Ich frag für’n Freund.
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