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Keine Hürde zu hoch

17.01.2023, 22:37 Uhr
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Inklusiv im Sport unterwegs: Miriam Reich baut ein Netzwerk mit Vereinen und Einrichtungen auf, um Menschen mit und ohne Einschränkungen zusammenführen. Foto: Seehausen

Heide

Von Ulrich Seehausen

Zunächst den Vereinen in Dithmarschen Chancen der Beteiligung aufzuzeigen, ist die Aufgabe von Miriam Reich. Sie arbeitet als Inklusionsbeauftragte beim Kreissportverband.

Die UN-Behindertenrechtskonvention, seit 2009 in Kraft, soll auch Menschen mit Handicaps Teilhabe ermöglichen. Ihnen, etwa Sprach- und Hörgeschädigten sowie körperlich und psychisch Behinderten, ermöglicht der Sport eine vielseitige Leistungsfähigkeit. Mit seinen Möglichkeiten fördert er das Selbstvertrauen in das eigene Können.

Inklusion – die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen wird damit im organisierten Sport zu einem immer größeren Thema. Fragen tauchen auf. Zum Beispiel die: Wie lässt sich ein Kind mit null Prozent Sehvermögen integrieren? Sören Bröcker hatte im Mai 2022 die Antwort: „Indem wir zusammen Blindenhandball spielen.“

Gesagt, getan. Der Jugendobmann und Trainer des MTV Heide veranstaltete ein Inklusionsfest und viele kamen, um mit dem kleinen Elias Witt auszuprobieren, was es im Vereinssport hier noch nicht gab. Bei der Umsetzung unterstützten der FC St. Pauli und das Landesförderzentrum Sehen aus Schleswig.

Seit früher Kindheit hat Elias einen Gehirntumor und kann deshalb nichts erkennen. Sportlich ist er aber, und so ergab sich die Frage nach seinem Mitwirken. Inklusiver Sport heißt das Motto. Bereits seit 2005 ist der FC St. Pauli auf diesem Gebiet engagiert – mit Blindenhandball. Und der Kiez-Klub bietet auch Fußball für Sehbehinderte.

An Miriam Reich ist es, die Vielfalt im Dithmarscher Breitensport zu erfassen, die Inklusion zulässt. „Ich werde sammeln, sichten und sortieren“, sagt die Weddingstedterin. Sie selbst ist als Volleyball-Trainerin beim MTV Heide unterwegs. Alle Angebote zu erfassen, benötige Zeit. Und einen guten Draht zu den Mitgliedsvereinen des Kreissportverbandes allemal, von denen es mehr als einhundert gibt.

Bei dieser Vielzahl scheint manches denkbar. Zum Beispiel: Können Kinder, Jugendliche oder Erwachsene mit Handicaps ihre Stärken in der Leichtathletik entfalten? Eine weitere Idee wäre der Rollstuhltanz. Oder gibt es schon eine Initiative in Rollstuhl-Basketball? Ist Blindentennis eine Option?

Und wie sind die Bedingungen, wenn Männer und Frauen sich aufmachen, um das Sportabzeichen abzulegen? In dieser Hinsicht leisten Bewohner des Herbert-Feuchte-Stiftungsverbunds in Heide Vorbildliches. Mit Ehrgeiz meistern sie unter Anleitung des Sonderpädagogen Ingolf Eisenschmidt die Disziplinen: Radfahren, Kurzstreckenlauf, Schwimmen, Werfen und Standsprung.

Miriam Reich knüpft daran an und will Institutionen dieser Art, zu denen auch die Stiftung Mensch, die Astrid-Lindgren-Schule und die Lebenshilfe gehören, zu einem Netzwerk zusammenfügen: „Vereine und Einrichtungen sollten nicht unter sich bleiben, sondern sich öffnen. So könnten sich interessante Möglichkeiten der Kooperation ergeben.“

Ihre Bestandserhebung möchte sie bis zu den Sommerferien vorlegen. Im zweiten Schritt geht es auf die Vereine zu. Von einigen hört man, dass sie im Bereich Inklusion gerne etwas tun würden, jedoch nicht wissen wie. Reich will helfen und beratend tätig werden.

„Ich möchte erfahren, was ihnen fehlt und wo die Schwierigkeiten liegen.“ Das passiert auch in Zusammenarbeit mit dem Landessportverband, der Trainer und Übungsleiter dahingehend ausbilden kann, Stunden gleichermaßen für Menschen mit und ohne Behinderung zu gestalten. Miriam Reich ist dienstags von 9 bis 14 Uhr auf der KSV-Geschäftsstelle, Waldschlösschenstraße 39, erreichbar. Telefon: 0481/5053.

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