Wort zum Sonntag

Täglicher Balanceakt

Haben Sie schon mal etwas von einem Krängungsmesser gehört? Ein solches Instrument zeigt die Neigung eines Schiffes an, die durch Wind, Seegang oder verrutschte Ladung entsteht. Wird die Krängung zu stark, kentert das Schiff. Es muss in der Balance gehalten werden. Ein Bild auch für unser aller Leben: Körpergewicht, Alkoholkonsum, Finanzen, Beziehungspflege u.a.m. wollen in der Balance gehalten werden, sonst fühlt ein Mensch sich nicht wohl in seiner Haut. Schon dieses persönliche Gleichgewicht zu halten, fällt nicht immer leicht.

Mit Blick auf die Welt vermittelt sich derzeit der Eindruck, die Krängung nehme bedrohlich schnell zu. Klimawandel, Bevölkerungswachstum, nationale Egoismen – gerät die Welt aus dem Gleichgewicht? Vielleicht tut ein wenig mehr Gelassenheit gut. Denn ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass Wesentliches sich verbessert hat: Weniger hungernde Menschen, beispielsweise, und eine sinkende Kindersterblichkeit - selbst das Ozonloch hat sich fast geschlossen. „Sorget euch nicht um morgen“ – rief Jesus den Menschen zu – „denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen“. Gewiss kein Ersatz für verantwortliches Handeln, aber für mich ein Ankerpunkt, um in der Balance zu bleiben.

Gerson Seiß, Evangelisches Militärpfarramt Heide