Wort zum Sonntag

Und „muss“ schon mal gar nicht!

„Sieht schmuck aus!“, sagt meine Tochter. Als echte Dithmarscher Deern benutzt sie ganz selbstverständlich viele Redewendungen dieses liebevollen Landstrichs. Ich als Zugereister tue mich damit immer noch schwer. Hier „soll“ man beim Bäcker sechs Brötchen bekommen und antwortet auf „Danke!“ mit „Da nich‘ für!“ Alles okay. Nur mit einem Standardspruch kann ich mich einfach nicht anfreunden: „Es muss.“ Man fragt, wie es jemandem geht, und bekommt die Antwort „Es muss“ – oder „muss ja.“

Wieso muss es? Lebe ich wirklich nur, weil ich muss? Klar, das Leben bringt nicht nur Schönes. Sondern auch Allergien und Bluthochdruck, Stress und Streit. Dann „muss“ das Leben tatsächlich wohl oder übel. Aber es ist unser Leben und wir haben nur dieses eine. Also Augen auf: Den Tag begrüßen und den blauen Himmel sehen. Die Ehefrau kitzeln, bis sie quietscht. Beobachten, wie die Katze das erste Sonnenbad im Vorfrühling nimmt. Mit Freunden gemeinsam lachen. Zufrieden mit der Nase im Buch einschlafen. Dann muss man das Leben tatsächlich einfach nur genießen.

Michael Warnck, Prädikant in Meldorf