Wort zum Sonntag

Mein Leben ist zwecklos

Ich arbeite und mühe mich. Hast du was, bist du was. Den richtigen Beruf. Die richtige Kleidung. Die richtige Meinung. Mein Wert speist sich daraus, dass ich zu etwas tauge. Ich rechtfertige mich selbst durch den Zweck, den ich erfülle.

Aber mein Leben ist nie endgültig gerechtfertigt. Werde ich krank oder zu alt, um meine Aufgaben zu erfüllen, kann ich mich nicht mehr selbst rechtfertigen. Das kann ich nicht einmal, wenn ich all‘ meine Kräfte beisammenhabe. Denn kein Zweck rechtfertigt mich endgültig. Ich müsste immer und überall beweisen: Ich werde jetzt gerade gebraucht, kein anderer kann mich ersetzen.

Paulus schreibt: „Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.“ Gott liebt uns, noch bevor wir etwas tun, noch bevor wir etwas vorweisen können, um uns selbst zu rechtfertigen. Gott weist uns einen Wert zu, der unabhängig ist von irgendeinem Zweck, den wir erfüllen.

Mein Leben ist zwecklos. Gott sei Dank.

Tobias Wenn, Vikar in Heide