Wort zum Sonntag

Berührt

Ostern war ich mit meiner Frau in Israel unterwegs. Kulturell beeindruckend, politisch teils fragwürdig – ein vielseitiges und vielschichtiges Land: Das grüne Galiläa und die Wüste des Negev, das hippe Tel Aviv und das Labyrinth der engen Altstadtgassen Jerusalems. Überall auch viel religiöser Kitsch und Kommerz im sogenannten Heiligen Land. Und doch auch immer wieder spirituelle Oasen an historischen Orten. Ich muss gestehen: Das hat mich mehr berührt als erwartet. Zu gehen und zu stehen, wo Jesus mit hoher Wahrscheinlichkeit auch gegangen und gestanden ist: In den Ruinen von Kapernaum, auf der alten Weinpresse in Nazareth, am See Genezareth oder am historisch höchstwahrscheinlichen Ort des alten Golgatha, Stätte der Kreuzigung Jesu. Und wie viele andere wollte ich – wo möglich – die alten Steine und Stätten berühren. Warum? Vielleicht um Ihm etwas näher zu kommen? Rational nicht erklärbar. Für andere vielleicht naiv oder verträumt. Aber durchaus menschlich und auch biblisch: Der Jünger Thomas wollte und musste die Wunden des Auferstandenen anfassen, wurde berührt durch Berührung. (Joh 20,24ff.) Ich kann seinem Wunsch nun mehr nachfühlen, auch wenn Glaube mehr ist als begreifen.

Pastor Daniel Cremers, Kirchengemeinde Meldorf