Wort zum Sonntag

Als ich auf der „Kerwa“ war

In Franken gibt es den Brauch, zum Fest der Kirchweihe einen sehr großen Kirchweihbaum aufzustellen. Dieser Baum wird samstags gemeinschaftlich im Wald geschlagen, geschmückt und dann am Kirchweihplatz mit Stangen aufgerichtet. Dazu spielt die Blaskapelle und alle singen lustige Lieder. Alt und Jung sind auf den Beinen. Sonntags wird gemeinschaftlich und mehr oder weniger verkatert in die Kirche gegangen. Ich liebe die „Kerwa“ (fränk. für Kirchweih). Warum? Weil alle vom Ort zusammen sind, essen, trinken und feiern. Klar mag man vielleicht den einen mehr, den andere weniger; manchmal muss man sich auch ziemlichen Unsinn anhören. Aber das ist egal, es ist ja Kerwa. Wir gehören zusammen, weil sich vor vielen Jahrhunderten um den Kirchturm ein Häuflein Menschen angesiedelt und eine Ortschaft gegründet hat. Der eine konnte das gut, die andere jenes. Am 7. Tage haben sich die Menschen bewusstgemacht: viel ist uns gegeben, ganz unterschiedliche Dinge. Gut ist es, sich das bewusst zu machen. Einwandfrei können Menschen da um den Kirchturm herum zusammenleben. 

An der „Kerwa“ kommt mir dieser Gedanke wieder in den Sinn. Und beim Kirchweihbaum aufstellen? Ich sehe, dass der eine richtig viel Kraft hat, während der andere durch geschicktes Bewegen der Stange das Seine dazutut. Am Ende wird applaudiert: Der Baum steht. Richtig gut ist das: „Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin. Und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen.“ (1. Kor 15,10). Das hat mich froh gemacht, als ich auf der „Kerwa“ war. 

Simone Fucker, Pastorin Wesselburen