Wort zum Sonntag

Muschelsucherin 

Ich bin gerne am Meer, deshalb sind mein Mann und ich hier hoch nach Dithmarschen gezogen. Und ich liebe Strandspaziergänge. Barfuß mit meerwasserumspülten Füßen den Sand unter den Zehen spüren, den Blick Richtung Horizont - und immer wieder gen Sandboden gerichtet, wo die vielen schönen Muscheln zu finden sind. Muscheln faszinieren mich, weil jede von ihnen ein Unikat ist. Und je nachdem, wo man ist, entdeckt man ganz neue Arten. 

Muscheln können ein Gleichnis sein: Wenn sie heil sind, haben sie zwei Teile, die hart und fest sind. Sie sollen ein weiches Lebewesen in sich schützen. Innerhalb der festen Schale kann es sich entwickeln, kann es leben. Auch wir Menschen sind verletzlich und brauchen Rückzugsräume, wo wir uns sicher fühlen. Für viele Menschen ist solch ein „Raum“ der Glaube an Gott. Auch für mich. Gott, bei dem ich sein kann, wie ich bin, zu dem ich kommen kann, auch mit meinen Verletzungen und meiner Angst. Ein Psalmbeter formulierte seine ähnliche Erfahrung mit Gott so: „Der Herr ist mein Schutz, mein Gott ist der Hort meiner Zuversicht.“ (Ps 94,22). Wie gut, solch einen Zufluchtsort zu haben.

Pastorin Esther Reininghaus-Cremers, Meldorf