Wort zum Sonntag

Landunter

Sie sind Orte der Extreme, nicht weit entfernt: Die Halligen. Orte totaler Abgeschiedenheit und Ruhe, der Stille und Weite. Mehrmals im Jahr wird es aber auch bedrohlich, wenn es heißt: Landunter. Dann bergen sich Mensch und Tier in Heim und Stall, gebaut auf Warften, die bei Landunter aus den Wogen herausragen. Und mögen die Halligen noch so klein sein: Auf den meisten von ihnen steht, ebenfalls auf einer Warft, eine Kirche. In ihr trifft sich die kleine Gemeinde seit Jahrhunderten zu Gebet und Gottesdienst, und das auch in stürmischen Zeiten.

Stürmische Zeiten – die erlebe ich nicht nur draußen. Die durchlebe ich auch, wenn mich etwas im Innern kräftig durcheinanderwirbelt, wenn etwas in meinem Leben ins Wanken und Wackeln gerät. Auch solcher Art Stürme können Angst machen und Sorgen bereiten. Wie gut ist es, dann nicht allein zu sein, andere Menschen bei mir zu haben. Wie gut ist es, in diesen Zeiten einen Zufluchtsort zu haben. Einer dieser Zufluchtsorte ist für mich mein Glaube an Gott. An so manchen Sturmtagen klopf ich dann an seine Tür. Suche und finde bei ihm Zuflucht mit dem, was mich umtreibt. In der Bibel heißt es in einem Gebet: „Mein Gott ist meine Zuflucht, meine Burg in sicherer Höhe.“ Oder nordisch: Gott ist meine Warft.

Pastorin Esther Reininghaus-Cremers, Kirchengemeinde Meldorf