Wort zum Sonntag

Dem Frieden nachjagen

Ich bin müde. Müde des Trauerns. Ich will das nicht mehr. Punkt.

Ich weiss nicht, ob es wirklich mehr Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft gibt, oder ob ich einfach durch die Medien und Netzwerke dichter dran bin. Ich sehe in die Gesichter der Opfer und sehe Tränen, Leere, Verzweiflung, Angst, Wut. Und ich sehe in die Gesichter der Täter - oft genau so leer wie die der Opfer. Aber da sind dann auch Überheblichkeit, Arroganz, Hohn, Lachen.

Und ich weiss nicht, was mich trauriger macht.

Vielleicht schaue ich in die falsche Richtung.

Selig sind, die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen (Mt 5,9).

Es gibt sie, die Friedensstifter. Menschen, die einen gesunden Menschenverstand und Urteilsvermögen besitzen. Menschen, die nicht auf ihre eigene Meinung beharren, sondern offen sind und bereit zu lernen. Menschen, die ein Gespür dafür haben, was es jetzt, in einer kritischen Situation, braucht. Die nicht noch Öl ins Feuer gießen und sich über ihre Macht freuen. Menschen, die barmherzig sind. Mit allen Parteien. Menschen, die sich nicht profilieren wollen. Diese Menschen werden zum Segen.

Gott segne, die nicht müde werden, dem Frieden nachzujagen!

Pastorin Almut Loepthien, Kirchengemeinde Lunden