Wort zum Sonntag

Wer bin ich schon?

Sturm am Deich: Kinder legen sich dem Sturm in die Arme, springen weit den Deich hinauf, Hunde jagen wie wild dem Ball hinterher, und mir wehen die Worte aus dem Mund. Gegen die Gischt und das Sturmbrausen werden alle Worte überflüssig. Schön, gewaltig und bedrohlich brausen die Wellen gegen den Steinfuß des Deichs. Die Vögel haben sich versteckt, die Sonne auch. Aber wir sind da, lebendig, dass es kribbelt an den Wangen, Fingern und Füßen. Klein fühle ich mich vor der Wucht der Elemente – klein, aber auch glücklich und lebendig. Nur ein kurzer Besuch am wilden Meer, dann zieht es uns wieder zurück in die Wärme der Wohnung. Noch lange klingt es in mir nach: Ich bin nur ein Teil von Gottes großem Werk, angewiesen auf die Natur. In Gottes Händen bin ich – lebendiger Teil seiner wunderbaren Schöpfung. Es rücken sich Größenverhältnisse zurecht, auch was wirklich wichtig ist, wenn ich mich an das Meer und den Sturm erinnere. Wer bin ich schon? Ich bin ein Mensch, Geschöpf, Geschenk – Gott sei Dank. 

Astrid Buchin, Pastorin in Heide