Wort zum Sonntag

Das habt Ihr für mich getan

Eine schöne Wunde, sagt sie. Und das ist ihr voller Ernst. Nora ist Ärztin mit Hingabe. Jona hat sich beim Spielen am Bein verletzt. Die Mutter von nebenan will nur wissen, ob es genäht werden muss. Wie praktisch, dass eine Ärztin in der Nachbarschaft wohnt. Vor allen Dingen am Wochenende. Ich habe immer ein steriles Nähset da. Soll ich das schnell machen? Gefragt. Getan. Alles ist besser als am Samstag in der überfüllten Notfallpraxis stundenlang zu warten. Also Legotürme beiseite. Die Wolldecke ausgebreitet. Der Verletzte auf ein sauberes Handtuch drapiert.

Während Ben sich mit Keksen und Luftballons um das Wohl des Patienten kümmert, kniet Jule und assistiert ihrer Arztmama gewissermaßen. Sie kriecht förmlich in die Wunde hinein: Blut kann ich eigentlich nicht so gut sehen. Aber ich muss das schon mal üben, ich will Ärztin werden. Kleine Notfall-OP mit familiärer Betreuung und Berufsfindungsworkshop in einem. Das nenne ich mal Work-Life-Balance, oder auch: Was Ihr für einen meiner Geringsten getan habt, das habt Ihr für mich getan (Matthäus 25, 40).

Pastorin Ina Brinkmann, Büsum