Wort zum Sonntag

Ja oder nein!

„Soll ich Dir auch einen Kaffee machen?“ rufe ich meiner Frau aus der Küche zu. „Hm, ich weiß nicht, will ich einen Kaffee?“ kommt es von nebenan. „Ja oder nein?“ - frage ich leicht genervt nach. Ein harmloses Beispiel dafür, wie auch ich mich oft um klare Aussagen herumdrücke. Um glaubwürdige Sprache geht es auch in Jesu Bergpredigt: „Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Übel.“ (Matthäus 5, 35)

Klingt so einfach, ist oft aber ganz schön schwer. „Kannst Du mir Geld leihen?“ fragte mich einmal ein Freund, als ich selber knapp bei Kasse war. Ich habe „Ja, aber“ gesagt und lang und breit das „aber“ erklärt. „Also kannst Du mir nicht helfen“, sagte er enttäuscht und fasste mein Herumeiern damit richtig zusammen. Ein leichtfertiger Umgang mit Worten untergräbt das Vertrauen. Weil unser „Ja“ Konsequenzen hat, weil Menschen sich danach richten – deshalb soll unser Ja ein Ja sein. Weil wir Menschen im Innersten treffen, wenn wir ein Wort verschweigen, soll auch unser Nein ein Nein sein. Ohne Hintertürchen. Ja – Nein. Klarheit. Mehr soll es nicht sein.

„Was ist denn jetzt mit dem Kaffee?“ Doch eh ich eine klare Antwort bekommen, bringe ich ihr einfach den dampfenden Becher. „Vielen Dank!“, sagt meine Frau, „das ist jetzt genau das Richtige!“

Michael Warnck, Prädikant in Meldorf