Wort zum Sonntag

Lieder können retten

Es ist Mai, Monat der blühenden Bäume. Ein Lied ist für mich besonders mit dem Mai verknüpft: „Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben! Schau an der schönen Gärten Zier und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben!“ 

Paul Gerhardt hat es 1653 geschrieben. Der Dreißigjährige Krieg hatte ihm viele seiner Lieben genommen, nicht aber sein Gottvertrauen. Über die Jahrhunderte hinweg behalten seine Worte ihre Kraft. Singen, gemeinsam mit anderen, geht zurzeit noch nicht, aber man kann ein Lied auch im Herzen tragen. Oft gesungen hat es einen festen Platz im inneren Vorrat dessen, was Mut macht. Lieder zu hören ist auch gut. Ich höre zum Beispiel gerne die von Paul Simon, in einem heißt es: „Man sagt, Jona wurde von einem Wal gerettet, aber ich glaube, er wurde gerettet von einem Lied.“ 

Ja, Lieder können retten, Lieder können tragen, Lieder können Kraft entfalten. Als mir einmal eine Operation bevorstand, hielt ich mich an diesem Lied fest: „Meine Zeit steht in deinen Händen, nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir.“ Was wären wir ohne Lieder! Bei einem Kirchentag begegnete mir dieses Lied nach einem Gedicht von Tagore: „Ich sprach zum Baum: ‚Erzähl mir von Gott!‘. Und er blühte.“ 

Marlies Rattay, Pastorin in Schlichting und St. Annen