Wort zum Sonntag

Der Schopf und der Schöpfer

Am kommenden Montag hat Freiherr von Münchhausen seinen 300. Geburtstag. Das ist der, der auf der Kanonenkugel flog. 1720 wurde er in Bodenwerder an der Weser geboren. Er hat viele schöne „Lügengeschichten“ erzählt. Die tiefsinnigste ist wohl die mit dem Schopf und dem Sumpf. Münchhausen ist mit seinem Pferd in einen Sumpf geraten. Wie hat er sich befreit? Er hat sich am eigenen Haarschopf selbst aus dem Sumpf gezogen. Schön wär`s.

Aber das können wir nicht. So wie wir uns das Leben nicht selbst geben können und das Leben nicht selbst erhalten können. Wir sind Atemzug für Atemzug auf Halt und Hilfe angewiesen. „Gedenke an den Herrn, deinen Gott, denn er ist`s, der dir Kräfte gibt.“ (5. Mose 8, 18) Wir können uns nicht am eigenen Schopf ins Leben ziehen. Da muss Er schon kommen, der Schöpfer. Schopf und Schöpfer – ein hübscher sprachlicher Zufall. Sprachgeschichtlich sind die Wörter allerdings nicht verwandt. Wenn ich das behaupten würde, würde ich „lügen“. Aber das darf ich nicht, das darf eben nur der Freiherr von Münchhausen.

Pastor Dr. Thomas Schleiff, Heide