Wort zum Sonntag

Wunderbar getragen

„Trag mich!“ Es gehört zu den schönsten Erinnerungen an die Kindheit meiner längst großen Töchter, wenn ich sie auf dem Arm herumgetragen habe. Voller Vertrauen konnten sie sich mir überlassen.

Gott hat durch einen Propheten seinen Menschen ausrichten lassen, dass er sie in schweren Zeiten tragen wird: „Auch bis in euer Alter bin ich derselbe, und ich will euch tragen, bis ihr grau werdet. Ich habe es getan; ich will heben und tragen und erretten.“ (Jesaja 46,4). Das Versprechen: Wenn ich alleine nicht weiter kann, dann trägt mich Gott. Das tut vielen gut.

Andererseits: Es ist gar nicht so leicht, sich helfen zu lassen. Meine alte Mutter ist wackelig auf den Beinen und wäre viel mobiler, wenn sie sich ab und zu im Rollstuhl umherfahren lassen würde. Aber das lehnt sie ab. Kontrolle müsste sie abgeben, sich einem anderen überlassen. Auch ich habe es lieber, möglichst alles selber im Griff zu haben, und fürchte den Augenblick, es nicht mehr alleine zu schaffen. Eine Krankheit, oder das Alter – schnell kann das gehen. Wie gut, dass Gott verspricht: „Ich will euch tragen.“ Ihm kann ich mich überlassen. Und ich glaube, Gott wird mir dann ein tapferes Herz geben und Geduld. Sich tragen lassen, das ist nicht einfach – aber es ist wunderbar.

Michael Warnck, Prädikant in Meldorf