Wort zum Sonntag

Heißhunger auf Freiheit

Gern gesungen, wenn denn Singen erlaubt ist. Ob nun bei Hochzeiten oder Taufen. Selbst Trauernde finden Trost in diesem modernen Choral: Weit wie das Meer ist Gottes große Liebe. Markus Jenny, Schweizer Pfarrer und Kirchenmusiker, dichtete es nach schwedischer Vorlage 1991. Vor diesem Gesangbuchlied darf der Anti-Alltagsrassismus-Diskurs jedoch nicht haltmachen. Deine Vergebung geht wie deine Liebe über die Menschen, Völker, Rassen hin, heißt es und lobt Gottes Großzügigkeit damit. Sicher wollen Menschen keine Rassisten sein, wenn sie dieses eingängige Lied anstimmen, aber gleichzeitig stärken sie ihn subtil damit. Na ja, du siehst das zu eng, heißt es dann. Der Text ist doch viel moderner als bei anderen Chorälen. Die Melodie ist doch so schön. Ich finde, wir müssen aber über Ausgrenzung unter den Menschen sprechen, über Diskriminierung in der Sprache, um diese Musik zu retten. Menschen, die ein Gefühl haben für gemeinsames Singen, werden doch mitfühlen bei dem, was andere verletzt. Das wäre ein Lob allen Lebens, ohne Unterschiede zu machen. Wie wäre es mit dieser Spur Gottes? 

Pastorin Ina Brinkmann, Büsum