Wort zum Sonntag

Was Menschen einander antun können…

Vielen gehen die Bilder durch Mark und Bein. Die Bilder der Demonstranten aus Belarus. Mutig halten sie an ihrem Protest fest. Mutig und sicherlich voller Angst. Einige trauen sich, die bösen Verletzungen offenzulegen, die sie davongetragen haben. Sie zeigen der Welt die Male ihrer Peiniger. Ob ich diesen Mut aufbringen würde? Ich zweifle daran. Was Menschen einander antun können, es wird uns wieder einmal vor Augen geführt. Keine Gnade, wenn es um die eigenen Belange geht. Man möchte all jenen ins Ohr brüllen: „Hört auf, die euch anvertrauten Menschen zu drangsalieren! Wacht auf aus eurem unangemessenen Denken, im Recht zu sein!“ Alles in der Welt dreht sich um die Liebe, selbst dann noch, wenn sie uns fehlt. Wenn die Liebe, die Liebe zum Nächsten mit Füßen getreten wird, dann schockiert das zutiefst. Wir können es schlicht nicht begreifen – wohlwissend, dass wirklich niemand davor gefeit ist, die Liebe aus dem Blick zu verlieren. „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“ 

Pastorin Sandra Ruge-Tolksdorf, Kirchengemeinde Brunsbüttel