Wort zum Sonntag

Zuversicht

Auf der Reha-Station geht es um Rückkehr ins Leben. Zusammengestürzte Existenzen werden wieder aufgebaut. Wenn Dr. S. ans Bett seiner Patienten tritt, tastet er nicht bloß ihre Bauchdecke ab, fragt nicht nur, wie es ihnen heute geht. Mit Herrn P. redet er über Transistoren im Flachbildfernseher, mit Herrn G. über die kasachischen Berge, mit Herrn B. über die Pigmentierung von Wandfarbe. Wenn dem Arzt ein echtes Gespräch gelingt, machen die Patienten die gleiche Bewegung. Sie richten sich in ihrem Bett auf. Diese Geste liebt der Arzt. "Was die Menschen hier rausträgt, ist die Sehnsucht nach ihrem Alltag. Nach ihren Familien, ihrer Routine. Nach dem Leben, wie sie es gekannt haben." Daran will der Arzt die Patienten erinnern. Denn die Menschen brauchen ein Ziel, um sich ihrer neuen Wirklichkeit aussetzen zu können. Zu verleugnen, dass jetzt etwas anders ist in ihrem Leben, kostet nämlich mehr Kraft. Stattdessen zu entdecken, was in ihnen steckt, was sie vor ihrer Lebenskrise noch nicht gebraucht haben, heißt an sich selbst wachsen zu lernen. So kann es gehen, wenn es heißt: Ermutigt einander jeden Tag, damit niemand von euch verhärtet werde. (Hebräer 3, 13)

Pastorin Ina Brinkmann, Kirchengemeinde Büsum

© Boyens Medien - Texte und Fotos sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.