Heide

Schwarze-Garde-Jubiläumstour bei schönstem Sonnenschein

Damals so ein Wetter, und es wäre wohl nichts geworden mit dem legendären Sieg der Dithmarscher gegen die Schwarze Garde. Während die berüchtigte Söldnertruppe vor 519 Jahren mit Schnee- und Eisregen zu tun hatte, herrschen am 17. Februar 2019 frühlingshafte Temperaturen. 

Bereits zum zehnten Mal stand am Sonntag ein Ausflug mit Boyens Medien in die spannende Dithmarscher Geschichte auf dem Programm. Unter der bewährten Leitung von Wolfgang Mohr begaben sich die Teilnehmer auf die Spuren des gefürchteten und scheinbar unbesiegbaren Landsknechtsheeres, das in der Schlacht bei Hemmingstedt zusammen mit seinem Anführer Thomas Slentz unterging. „Dithmarschen war damals eine Festung“, sagt Wolfgang Mohr. Umgeben von Wasser und Mooren, gab es nur ein Einfallstor in die wohlhabende Bauernrepublik. Selbstverständlich führt der Heimatforscher die Reisegruppe genau dort hin: an die Fallohfurt im Gieselautal bei Albersdorf.

Immer wieder gelingt es dem Historiker, Geschichte lebendig und anschaulich zu machen. So führt er die Mitreisenden über Hohlwege im Wald, auf denen schon die Schwarze Garde und das restliche Invasionsheer unter dem Oberbefehl des dänischen Königs Johann I. marschiert sind. Nach einem gemütlichen Spaziergang im Sonnenschein wartet dann der Bus auf die Gruppe. Mit Detlef Tritschler am Steuer geht es auf teilweise schmalen Wegen und durch enge Kurven im weiten Bogen über Süderhastedt und Windbergen nach Meldorf. Per Bordmikrofon erzählt Mohr vom Weg der Invasoren, von alten Sümpfen, verräterischen Führern und einem König, der die Garde trotz des für sie gefährlichen Wetters in die Schlacht schickt. Wetter, Wasser und todesmutige Verteidiger werden ihr zum Verderben.

Traditionell wird in der Meldorfer „Erheiterung“ eine Pause einlegt. Zur Stärkung gibt es Rosinenbrot mit Mettwurst und Käse sowie einen schönen heißen Kaffee. Zur Unterhaltung präsentieren Wolfgang Mohr und seine Frau Anka als Duo „Drievholt“ einige Balladen zur Schlacht bei Hemmingstedt. Anlässlich der Jubiläumstour singen sie in Dithmarscher Tracht. Und noch eine Überraschung hat der Reiseleiter für seine Gruppe: Boyens Medien spendiert den Teilnehmern eine von ihm zusammengestellte umfangreiche Broschüre mit vielen Farbaufnahmen und Informationen rund um den historischen Ausflug. Darin enthalten ist auch eine Karte mit dem Streckenverlauf. Beste Voraussetzungen also, noch einmal auf eigene Faust einen Ausflug in die Geschichte zu unternehmen.

Nach Musik und Imbiss steuert Detlef Tritschler den wendigen 13-Meter-Bus bis zur Dusenddüwelswarf bei Epenwöhrden. Dort holen Anka und Wolfgang Mohr eine Marienfahne und ein Kruzifix hervor. Beides soll daran erinnern, dass die Dithmarscher Bauern in der Schlacht bei Hemmingstedt auf den Beistand der Jungfrau Maria gesetzt haben. Mit dem Ruf „Help, Maria milde“ stürzten sie sich laut Mohr von der Schanze aus auf die Angreifer. Der bekanntere Schlachtruf – „Wahr di Garr, de Bur de kummt“ – dürfte seiner Meinung nach wohl eher am Stammtisch erfunden worden sein.

Vor dem großen Diorama der Schlacht im Pavillon an der Dusenddüwelswarf läuft der Heimatforscher dann noch einmal zu Höchstform auf. Seine Erzählung ist so eindrucksvoll, dass eine Teilnehmerin zu Anka Mohr sagt: „Man glaubt, Ihr Mann sei damals dabei gewesen.“