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Alte und neue Chöre

Von Andreas Vollstedt

Meldorf - Auch für die dritte Auflage der kleinen Veranstaltungsreihe Kulturbonsche wählte das Organisationsteam um Annelie Anhut für einen Abend den Innenhof des Dithmarscher Landesmuseums als Forum aus – dieses Mal für Musik von Gemischten Chören aus Nindorf, Meldorf und Tellingstedt.

Eine humorige Umschreibung für einen gemischten Chor lautet: Einige können singen und einige nicht. Gemeint sind natürlich Chormitglieder beiderlei Geschlechts. Was heute völlig selbstverständlich erscheint, war in früheren Zeiten ein Tabu. In Deutschland sangen erst mit der Gründung der Sing-Akademie zu Berlin 1791 zum ersten Mal Frauen und Männer gemeinsam in einem Chor in einer Kirche. Das Museumskonzert begann mit dem Gemischten Chor Nindorf, der 1889 noch als reiner Männergesangverein gegründet wurde und längst ein Stück Dithmarscher Musikgeschichte ist. Chorleiterin ist die Koloratur-Sopranistin Svenja Liebrecht und ehrenamtlicher Vereinsvorsitzender seit Kurzem Sieghart Grabe. Liebrecht habe „den Chor gut im Griff“, verriet Grabe augenzwinkernd den mehr als 80 Besucherinnen und Besuchern. Die Nindorfer präsentierten a cappella oder mit Schifferklavier begleitet einen musikalischen Reisebericht, der vom Riesengebirge zur Ostsee und über den Atlantik zur mexikanischen Sierra Madre führte und schließlich mit „Wo de Nordseewellen trecken an den Strand“ im heimischen Gefilde endete.

Danach kamen zwei jüngere Chöre zum Einsatz, die im Verlauf des Konzertabends zu einem weiteren Chor verschmolzen. Das Ensemble des Meldorfer Chörchens singt seit zwei Jahrzehnten a cappella in allen Stilen und bezeichnet Gitarrist Uwe Eschner als „Chefchen vom Chörchen“. Erst im vergangenen Jahr wurde in Tellingstedt der Dithmarscher Kneipenchor von jungen Frauen und Männern gegründet, die mit Gerstensaft vor jedem Auftritt für eine gut geölte Stimme sorgen. Beide Gesangsgruppen brachten mehrere Stücke aus dem jeweils eigenen Repertoire: deutsche und englische Schlager wie „Kriminaltango“ oder „New York, New York“. Premiere dann für den Bonsche-Chor, der von Eschner aus den beiden Chören zusammengesetzt wurde und mit flotter Popmusik das Publikum zum Mitsingen oder wenigstens Mitsummen animierte; ein gelungenes Debüt, wie der sich anschließende Beifall deutlich machte.

Dass es bei allen Gruppen an einer gewissen Klangfülle mangelte, offenbart ein grundsätzliches Problem solcher Open-Air-Konzerte. Es fehlt an Wänden und Decken, die den Schall reflektieren. Auch Uwe Eschner bemerkte, dass einige Stücke „eher für eine Innenakustik geeignet“ seien. Helfende Hände wirkten verlässlich im Hintergrund der Veranstaltung; der Inhaber des benachbarten Restaurants V brachte Sitzbänke in den Innenhof. Peter Busch, Axel Duve und Brigitte Ziegler vom Freundeskreis Dithmarscher Landesmuseum halfen beim Auf- und Abbau und bewirteten die Besucher mit heißen Würstchen und Getränken.

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