Nachbarn

Am Geld soll es nicht liegen

Von Dieter Kienitz 

Heide - Mehr als 12000 kleine und große Mitgliedsunternehmen der Industrie- und Handelskammern stehen allein in Schleswig-Holstein bis 2023 vor einem Eigentümerwechsel. Wenn Unternehmer den Nachfolger nicht in der Familie finden, müssen andere Interessenten gesucht werden. 

Immerhin ist der Erlös für die Verkäufer oft ein gewichtiger Teil der Altersversorgung. Doch niemand kauft mal „so eben“ eine Firma. Insofern gestalten sich die Verhandlungen zuweilen schwierig, und auch die Finanzierung stellt eine Herausforderung dar. Am Geld allein sollte es jedoch nicht scheitern. Das wurde beim jüngsten Wirtschaftsforum der Egeb Wirtschaftsförderung in den Räumen der VR Bank Westküste deutlich.

Zwei Förderexpertinnen und eine Unternehmerin zeigten den Zuhörern Wege auf, wie eine Unternehmensnachfolge erfolgreich und für beide Seiten zufriedenstellend über die Bühne gebracht werden kann. Dabei berichtete Alexandra Kölling eindrucksvoll, wie sie mit Hilfe der Investitionsbank und der MGB Beteiligungsgesellschaft vor vier Jahren den Peterhof im Kreis Steinburg übernehmen konnte. Die Mutter von drei Kindern hatte nach ihrer Ausbildung zur Hotelfachfrau Karriere in einem großen Unternehmen gemacht und nebenbei studiert. Zum Wunsch nach Selbständigkeit kam die Möglichkeit, das Hotel in Hodorf zu erwerben. Nach einjährigen Verhandlungen und der Suche nach Finanzierungsquellen gelang schließlich die Übernahme des Landsitzhotels. „Wir haben mittlerweile die Zahl der Mitarbeiter von zehn auf 15 erhöht; hinzu kommen noch Saisonkräfte“, beschrieb die 42-Jährige den erfolgreichen Aufbau des Familienbetriebes.

Ulrike Kiehne von der Investitionsbank Schleswig-Holstein (IB.SH) gab einen Überblick über Möglichkeiten, wie eine Unternehmensnachfolge finanziell geschultert und gefördert werden kann. So gibt es beispielsweise bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) nahezu für jede Vorhabensgröße ein passendes Förderprogramm, das die Hausbank dort für den Nachfolger beantragen kann. Indessen bietet sich für kleine Beträge bis 25 000 Euro der IB.SH Mikrokredit an. Dieser und auch der IB.SH-Mittelstandskredit bis 250 000 Euro können direkt bei der IB.SH beantragt werden und haben den Vorteil, dass sie ohne Sicherheiten und Eigenmittel zur Verfügung gestellt werden. Abgerundet wird die Förderlandschaft durch die Meistergründungsprämie, 7500 Euro Zuschuss, den Weiterbildungsbonus SH oder eine Bürgschaft der Bürgschaftsbank Schleswig-Holstein. Wenn Nachfolger eine Finanzierung beantragen, ist dazu immer ein Businessplan nötig. „Die Höhe des zu zahlenden Kaufpreises für die Übernahme ist darin besonders zu begründen oder durch ein Wertgutachten zu unterlegen“, so die Förderlotsin.

Wenn die Eigenkapitaldecke besonders dünn ist und der Kaufpreis deshalb nicht zusammengebracht werden kann, tritt die MBG Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Schleswig-Holstein auf den Plan. Eike Schurbohm berichtete, wie die MBG mit einer typisch stillen oder auch offenen Beteiligung die Eigenkapitalquote erhöhen kann und den Zugang zu Fremdkapital erleichtert. Dabei können Beteiligungen von 10 000 Euro bis 2,5 Millionen Euro gezeichnet werden. Rückzahlbar ist die Beteiligung innerhalb von zehn Jahren, wobei die ersten fünf Jahre bei einer typisch stillen Beteiligung tilgungsfrei sind. Dies ist Voraussetzung, damit die Mittel als wirtschaftliches Eigenkapital anerkannt werden. „Wir haben innerhalb des vertraglichen Rahmens aufgrund einer wirtschaftlichen Schwäche des Unternehmens keine Möglichkeit, das Geld frühzeitig wieder aus dem Unternehmen zu nehmen und stehen somit auch in schwierigen Zeiten zum Unternehmen“, erläuterte die Expertin.

Jörg Peter Neumann von der Egeb Wirtschaftsförderung führte zuvor in das Thema ein und machte deutlich, dass die Gründung oder Übergabe eines Unternehmens nicht am Geld scheitern müsse. Es gebe genügend Fördermöglichkeiten, um einige Klippen zu umschiffen, sagte der Wirtschaftsförderer zum Auftakt der Veranstaltung, die von Britta Zodri, ebenfalls Egeb, organisiert wurde.