Nachbarn

Ausdruck der Verbundenheit

Von Melanie Kaacksteen 

HEIDE Mit der „Fuchsbraut“ von Eve Wiemer erhält der Kreis Dithmarschen die dritte Skulptur für die Grünanlage des Kreishauses. Zuletzt wurden die Plastiken „Der Baumeister“ von Pierre Schumann 2014 und die „Beschützte Freiheit“ von Paul Heinrich Gnekow 2015 übergeben. 

Die Künstlerin hat dem Kreis die Fuchsbraut aus ihrem Besitz geschenkt. Kreispräsidentin Ute Borwieck-Dethlefs und Landrat Stefan Mohrdieck bedankten sich bei Eve Wiemer. Die Skulptur war 22 Jahre lang Teil ihres Skulpturengartens in Bunsoh, bis der Resthof der Künstlerin mit der Galerie Nordlicht im Herbst 2019 abgebrannt ist. Eve Wiemer sagt: „Ich freue mich darüber, dass die Skulptur hier ein neues Zuhause gefunden hat und zu meinem Geburtstag ist es auch ein besonderes Geschenk für mich. Zugleich stimmt es mich auch wehmütig. Denn ich werde zu meinen Kindern nach München ziehen. Wenn meine Kinder nicht so weit weg wohnen würden, wäre ich gerne geblieben. Mit der Fuchsbraut bleibt immer ein Teil von mir in Dithmarschen.“

Kreispräsidentin Ute Borwieck-Dethlefs bedauert den Wegzug der Künstlerin: „Die Fuchsbraut wird uns immer an Eve Wiemers Engagement für die Kunst und die Menschen in Dithmarschen erinnern. Ich wünsche ihr alles Gute für die Zukunft und einen guten Start im neuen Zuhause im Kreise ihrer Familie.“ Landrat Stefan Mohrdieck bedankt sich: „Mit der großzügigen und emotionalen Schenkung drückt Eve Wiemer auch ihre Verbundenheit mit Dithmarschen aus. Wiemer ist eine anerkannte Künstlerin. Besonders schätze ich auch ihr Engagement für den Kunstgriff. Ihre Skulptur befindet sich neben den Werken von Gnekow und Schumann in bester Gesellschaft und zeigt, wie spannend Kunst ‚Made in Dithmarschen‘ ist.“

Eve Wiemer wurde 1948 in Berlin geboren. Sie studierte Kunst in Berlin und Hamburg, arbeitete als Bühnengestalterin in den 70er-Jahren für die UFA Berlin und das Theater am Turm in Frankfurt am Main. Die Bildhauerin und Malerin stellte in Museen und Galerien in Norddeutschland aus. Auch schuf sie Kunst im öffentlichen Raum wie in Friedrichskoog und in Neufeld. Für ihre Werke wurde die Künstlerin unter anderem 2002 mit dem Publikumspreis beim Meldorfer Culturpreis und 2020 mit dem dritten Platz beim Landeswettbewerb „Skulptur Leid und Unrecht“ des Ministeriums für Soziales, Gesundheit, Jugend, Familie und Senioren des Landes Schleswig-Holstein ausgezeichnet. 

Nach einer norddeutschen Redensart bedeutet „Der Fuchs braut“ aufziehenden Frühnebel, der gutes Wetter ankündigt. Besonders auch für Flussniederungen ist dieser Nebel charakteristisch. Aus diesem Wortspiel entstand die „Fuchsbraut“. Eve Wiemer schuf sie 1998 für das Land-Art-Projekt „Von Pfahl zu Pfahl“. Bildhauer Thomas Jaspert, Initiator der Aktion, griff eine bäuerliche Tradition auf und verband sie mit Kunst. Scheuerpfähle auf Weiden dienen Rindern oder Schafen zur Fellpflege. Für das Projekt gestalteten Künstler Scheuerpfähle für Tierweiden in der Eider-Treene-Sorge-Region. Während des Land-Art-Projekts stand die Fuchsbraut auf einer Koppel bei Friedrichsstadt. Dort, wo sie jetzt steht, weideten bis kurz vor Beginn der Arbeiten für den Bau des Kreishauses 1970 Shetlandponys – und auch dort gab es Scheuerpfähle.

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