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Außergewöhnliches Weihnachtscafé

Von Andreas Vollstedt

Meldorf - Einmal im Jahr, zum traditionellen Weihnachtsmarkt im Dithmarscher Landesmuseum, betreibt dessen Freundeskreis ein kleines Café, das eine außergewöhnliche Entstehungsgeschichte hat.

Die Lokalität stammt ursprünglich aus der Gastwirtschaft Hamburger Hof in Tönning. Sie erlebte schon die turbulente Zeit der Weimarer Republik, in der sich eine neue Freizeitkultur entwickelte, die stark auf Unterhaltung ausgerichtet war. Verschiedene Gesang-, Boßel-, Ringreiter- oder sonstige Vereine nutzten die Gastwirtschaft als ihr Stammlokal und stellten dort Erinnerungsstücke wie Pokale, Siegerurkunden oder Fotos aus. Bei einem Besitzerwechsel 1936 wurden lediglich die Sitzmöbel und 1945 der Tresen ersetzt.

Die Einrichtung des Lokals und eines dazugehörenden Kinosaals von 1953 gelangten Ende der 1980er-Jahre in den Besitz des Landesmuseums und wurden im ehemaligen Gebäude der Meldorfer Gelehrtenschule, dem heutigen Südflügel des Museums, etwas verkleinert wieder aufgebaut. Weitere Ausstattungsstücke kamen aus verschiedenen Lokalen Dithmarschens hinzu. Ein mittels gestanzter Notenrollen selbstspielendes Klavier klimperte vor dem Zweiten Weltkrieg in einer Gastwirtschaft in Delve. Mit diversen Vereinsandenken an den Wänden, beispielsweise von Tura Meldorf oder der Hennstedter Liedertafel, präsentiert das Lokal auch einen Ausschnitt aus der vielfältigen Vereinskultur. Das originelle Ensemble diente in jüngster Vergangenheit bereits als Kulisse für die Theaternächte und den Jugendfilm Braunhemd des Kreises Dithmarschen.

In der Adventszeit verwandelt sich das museale Vereinslokal in ein weihnachtlich geschmücktes Café des Freundeskreises. In dem besonderen Ambiente stärkten sich auch dieses Mal wieder einige hundert Besucher des Weihnachtsmarktes bei Kaffee und Kuchen. Mehr als zwei Dutzend selbstgemachte Kuchen und Torten, deren Zutatenliste von Apfel bis Zimt reichte, standen zur Auswahl. Manch verführerische Kalorienbombe war dabei. Neben Altbewährtem gab es auch eigene Kreationen, die zum Beispiel als „Exotisch Käse“ bezeichnet wurden. Den fleißigen Hobbybäckerinnen galt herzlicher Dank. Sonntags war der Andrang dann so groß, dass zum Schluss nicht mehr alle Gäste ein Stück Kuchen abbekamen.

Ein eingespieltes Team sorgte vor und hinter der Kulisse für einen möglichst reibungslosen Ablauf. Die ehrenamtlichen Museumsfreunde Brigitte Duchow, Telse Evers, Angelika Hansen, Brunhilde Jauster, Anne Krempin, Dieter Krempin, Gesche Schmidt, Gesche Treyse und Anni Zander bewirteten die Gäste; im Hintergrund halfen Sylvia Glöer, Sabine Schoepe und Andreas Vollstedt. Der Erlös aus dem Verkauf wird gemäß Vereinssatzung für die Förderung des Dithmarscher Landesmuseums verwendet.

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