Nachbarn

Ein Buch und Plaudereien

Von Hargen Thomsen 

WESSELBUREN Zum ersten Mal seit der Coronapandemie führte die Hebbel-Gesellschaft wieder eine Lesung durch. In der Aula der Eider-Nordsee-Schule las Mareike Krügel aus ihrem aktuellen Roman Schwester. 

Die Autorin verbindet schon eine längere Beziehung mit der Hebbelstadt; denn dort wurde sie 2006 mit dem Hebbel-Preis ausgezeichnet und hat auch schon im Hebbel-Museum gelesen. Es passte also gut, dass man gerade sie zum Kulturneustart nach Wesselburen einlud. Der Roman Schwester, der schon auf der Spiegel-Bestsellerliste platziert war, spielt in Norddeutschland und handelt von der Hebamme Lone, die nach einem Unfall im Koma liegt, und ihrer Schwester Julia, die sich um die Angelegenheiten der Verunglückten kümmern muss und dabei ihre Schwester von einer ganz neuen Seite wahrnimmt. Vor allem besucht sie die Frauen, die Lone als Hebamme betreut hat und lernt dabei eine Reihe von starken Landfrauen und deren Leben kennen. In einer Passage, die Krügel vorlas, muss sie zum Beispiel bei der Geburt eines Kalbes aushelfen. Im Publikum saßen durchaus fachkundige Zuhörer, die der Autorin bestätigen konnten, dass sie diesen Vorgang glaubwürdig beschrieben hat.

Krügel wusste im anschließenden Gespräch viel Interessantes aus dem Alltag einer Schriftstellerin zu berichten, nicht nur, wie man über Kälbergeburten recherchiert, sondern auch über den Umgang mit einem ebenfalls schriftstellernden Ehemann. Krügel ist mit Jan Christophersen verheiratet, der mit Schneetage einen Roman über die Schneekatastrophe 1978/79 in Norddeutschland geschrieben hat. Wie gehen da Autorengatten miteinander und ihrer Arbeit um? Während er am Küchentisch ständig über seine aktuellen Projekte redet, bleibt sie verschwiegen, bis sie ein fertiges Manuskript zur Begutachtung vorlegen kann. Die sympathische Autorin verstand es, ihr Publikum mit einem spannenden Buch und Plaudereien aus dem Schriftstelleralltag über fast zwei Stunden hinweg zu fesseln.

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