Nachbarn

Ein spannender Vortrag

Von Friedrich-Wilhelm Trottmann 

MELDORF Es war nicht nur ein spannender Vortrag, zu dem Anne Ohlsen, Vorsitzende der Seniorenunion Dithmarschen, in die Erholung eingeladen hatte, sondern auch etwas, das alle angehen sollte. Manuela Nancekievill, Koordinatorin des Hospizdienstes, berichtete eindrucksvoll vom Freundeskreis Hospiz. 

Nancekievill, selbst Krankenschwester auf einer Intensivstation, initiierte mit fünf weiteren Leuten eine Bürgerbewegung und gründete 1992 den Verein. Die Thematik Umgang mit Sterbenden beschäftigte sie durch ihre Tätigkeit in besonderem Maße. Die größten Ängste vor starken Schmerzen, Leid und Alleinsein und die Wünsche der Sterbenden prägten seit Ende der 60er-Jahre die Entwicklung der Hospizbewegung. Die Kerntätigkeit der Hospizarbeit ist die ehrenamtliche Tätigkeit und soll es bleiben, psychosoziale Begleitung nach den Bedürfnissen und Orientierung am Menschen, so Nancekievill. 2001 wurde die Hospizarbeit gesetzlich verankert. Überwiegend übernehmen Frauen die Aufgabe.

Bei Gründung des Freundeskreises Hospiz Dithmarschen wurde ein Ziel in die Satzung aufgenommen: Der Bau eins stationären Hospizes. „Sterben gehört zum Leben dazu. Wir können nicht davor weglaufen“, sagt Nancekievill. Früher wurde im Familienverbund gelebt und gestorben, heute erleben wir eine gesellschaftliche Veränderung, was nicht nur den Alltag, sondern auch die Situation am Lebensende verändert. Ein stationäres Hospiz wird zu 95 Prozent durch die Pflegekasse und zu fünf Prozent durch Spenden finanziert.

Die Anfrage von Menschen für einen Hospizplatz nahm zu, sodass 2019 die Zeit reif war, den Bau eines stationären Hospizes für Dithmarschen in Angriff zu nehmen. Dabei war dem Verein der inklusive Ansatz besonders wichtig; denn durch die enge Zusammenarbeit mit der Stiftung Mensch in den vergangenen Jahren wurde deutlich, dass die Bedürfnisse sterbender behinderter Menschen bisher zu wenig Beachtung fand. Für die Aufnahme in einem Hospiz müssen bestimmte Kriterien attestiert werden.

Der Bau und der Betrieb eines Hospizes ist ein großes wirtschaftliches Wagnis für den 450 Mitglieder umfassenden Verein; denn kleine Einheiten mit viel qualifiziertem Personal werden benötigt, mit einem Personalschlüssel von nahezu eins zu eins. Für zwölf Plätze wird von Baukosten von fünf Millionen Euro ausgegangen. Der gemeinnützige Verein wird als Bauherr für das Haus des Lebens eine gGmbH gründen, bei einer Finanzierung aus Eigenmitteln, Krediten, Sponsorengeldern, Bausteinverkauf und dankenswerterweise 360.000 Euro Förderung durch das Land Schleswig-Holstein. Palliativ-lindernde Medizin wird in einem familiären, anheimelnden Neubau mit inklusivem Ansatz einziehen unter dem Motto von Cicely Saunders: „Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben.“

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