Nachbarn

Kulturbonsche unterm Regenschirm

Von Andreas Vollstedt

Meldorf – „Kultur. Umsonst. Draußen. Live!“ sind die Schlagworte der beliebten Veranstaltungsreihe Kulturbonsche. Wobei das „Draußen“ immer mit einem gewissen Risiko behaftet ist, was sich bei einem Event im Innenhof des Dithmarscher Landesmuseums leider bestätigte.

Das Wetter war den ganzen Tag über nicht richtig einschätzbar. Kurz vor Beginn der Veranstaltung entschied das Organisationsteam um Annelie Anhut: „Wir bleiben draußen!“ Noch bei strahlend blauem Himmel begrüßte Anhut viele Zuhörer und mit Uwe Eschner aus Nindorf einen verlässlichen Mitspieler beim Kulturbonsche. Der vielseitige Musiker, Chorleiter und Musikpädagoge war bisher in jedem Sommer einmal dabei, dieses Mal als Solist mit seiner „Uwe-lele“; das ist eine viersaitige elektro-akustische Tenorukulele aus der Meldorfer Manufaktur von Dietmar Krüger. Entsprechend spielte Eschner auf vier Saiten reduzierte Arrangements von Pop-Klassikern, angefangen mit einem Potpourri aus Titeln, die er nach eigener Aussage „von den Beatles, Petula Clark und Louis Armstrong zusammengeklaubt“ hatte. Unter dem Motto „Zappen im Kinderkanal“ folgten seit Generationen vertraute Melodien der Pippi-Langstrumpf-Filme, Sesamstraße oder Muppet-Show.

Vielleicht hatte Uwe Eschner dann auf musikalische Weise den Wettergott herausgefordert – mit seiner Interpretation von „Singing in the rain“. Der weltbekannte Song aus dem gleichnamigen Filmmusical von 1952 wurde bereits 1929 für einen der ersten amerikanischen Tonfilme geschrieben. Nach einem Abba-Medley und dem italienischen Evergreen „Volare“ zogen jedenfalls zunehmend dunklere Wolken über Meldorf und Donnergrollen war in der Ferne vernehmbar. Uwe Eschner konnte den Applaus des Publikums noch im Trockenen entgegennehmen, während Mitorganisator Stefan Zier vorsorglich damit begann, alle stromführenden Stecker in Plastiktüten zu hüllen.

Im zweiten Teil des Programms sollte ursprünglich die Sängerin Cay Davies auftreten. Da sie erkrankt war, sprangen kurzfristig zwei Freunde und Kollegen der Bright Music Alliance in Heide für Davies ein. Rolf Hübner und Sven Weiss erwiesen sich als eingespieltes Team, das mit E-Gitarre, Schlaginstrumenten und allerlei professionellem Equipment für einen fetzigen Sound sorgte. Das Duo trotzte dem aufkommenden Regen mit Peter Maffays Schlager „Und es war Sommer“, wobei die gesangliche Betonung von Rolf Hübner auf „war“ lag, sowie Westernhagens „Es geht mir gut“. Zum Mitsingen und Mitswingen animierten unverwüstliche Klassiker wie „Hit the road, Jack!“ von Ray Charles oder „Nah Neh Nah“ von Vaya Con Dios. Letzteres Stück wurde von Hübner und Weiss sehr eigenwillig interpretiert und sorgte für manchen Lacher. Zum witterungsbedingt verkürzten Abschluss spielten sie bekannte Lieder der 1970-er Jahre, wie John Denvers „Take Me Home, Country Roads“ oder „Über den Wolken“ von Reinhard Mey. Das applaudierende Publikum stand da schon vor Regen geschützt mit unter den großen Sonnenschirmen.

Annelie Anhut zollte den Besuchern Respekt dafür, bei dem Regenwetter so lange ausgehalten zu haben, denn es waren nur wenige vorzeitig gegangen. Ironie des Schicksals war, das am Ende der Veranstaltung auch die Wolken verschwunden waren. So konnten die ehrenamtlichen Helfer des Organisationsteams und des Freundeskreises Dithmarscher Landesmuseum den zeitaufwendigen Abbau glücklicherweise im Trockenen bewerkstelligen.

Weitere Informationen zu der Veranstaltungsreihe finden Interessierte auf www.kulturbonsche.de