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Logistik auf dem Weg ins digitale Zeitalter

Von Dieter Kienitz

Heide - Auf der einen Seite hypermoderne Schlagworte wie Blockchain-Technologie, Künstliche Intelligenz oder Robotik, auf der anderen Seite Betriebe, die ihre Transportaufträge noch per Telefon und Fax abwickeln – die Logistik steht beim Thema Digitalisierung vor großen Herausforderungen. 

Das wurde bei einem gemeinsam von Egeb Wirtschaftsförderung, Logistik Initiative Schleswig-Holstein und Fachhochschule (FH) Westküste veranstalteten Forum deutlich. „Es gibt kaum einen Bereich, in dem Digitalisierung heute keine Rolle mehr spielt“, betonte Landrat Stefan Mohrdieck in seiner Begrüßung. Er erläuterte, dass die Kreisverwaltung in den kommenden Jahren 575 Dienstleistungsangebote für Bevölkerung und Unternehmen mit einem fest definierten Zeitfenster digitalisieren werde. Professor Dr. Reiner Schütt, Vizepräsident für Forschung, Entwicklung und Technologietransfer der FH Westküste, wies auf die notwendigen Lernprozesse in der Belegschaft der Betriebe hin: „Die Frage ist doch: Wie bekomme ich das in die Köpfe der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hinein?“

Nachdem Logistik-Professor Dr. Tim Gruchmann Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen Logistikern und Fachhochschule erläutert hatte, zeigte Professor Dr. Ingmar Georg Stauff auf, wie sich die Digitalisierung auf die Branche auswirkt. In drei voneinander abhängigen Bereichen müssen sich die Unternehmen demnach einigen Herausforderungen der Zukunft stellen. Das umfasst sowohl die Erhebung und Speicherung von sehr großen Datenmengen sowie die Analyse zum Beispiel durch neuronale Netze oder Künstliche Intelligenz, als auch neue Formen des Zusammenspiels zwischen Mensch und Maschine. „Viele Unternehmen haben in der einen oder anderen Form bereits Erfahrungen mit digitalisierten Prozessen gesammelt. In der Regel fehlt es jedoch an einer klaren Strategie“, so der Inhaber der Professur für Technisches Projektmanagement und Leiter des Studiengangs Management und Technik.

Anschließend stellte Lukas Gable von der Lufthansa Industry Solutions AS GmbH das von der Bundesregierung geförderte Projekt Mission vor. Dabei wird ein dezentrales Informationsmanagementsystem entwickelt, in dem Akteure entlang einer Transportkette Informationen über Transportereignisse, zum Beispiel die Ankunftszeit eines Lkws, austauschen können, ohne die Kontrolle über ihre Daten abzugeben. Durch die gezielte Nutzung dieser Informationen sollen Transporte transparenter und effizienter werden.

Am Beispiel der Abwicklung von Transportschäden machte Rechtsanwalt Kolja Mischok von der Kravag-Logistic-Versicherungs-AG deutlich, wie sich die Blockchain-Technologie in der Logistik einsetzen lässt. Dabei handelt es sich, technisch gesehen, um eine kontinuierlich erweiterbare Kette von miteinander verbundenen Datensätzen. Das Besondere daran ist, dass jeder Eigentümer seiner Daten bleibt. In diesem Zusammenhang zeigte sich der Experte überzeugt, dass es schon bald elektronische Frachtbriefe geben werde.

In der abschließenden Podiumsdiskussion, die von Axel Salzmann, Kravag-Logistic-Versicherungs-AG, moderiert wurde, erläuterte Roy Kühnast von der Logistik Initiative das Ergebnis einer Umfrage der IT-Zeitschrift bitcoin unter den Mitgliedern. Demnach sehen die Betriebe nach steigenden Energiekosten und Mautgebühren die Digitalisierung auf Platz drei, wenn es um die Herausforderungen der Zukunft geht. Die Teilnehmer waren sich einig, dass das Thema sowohl auf die sehr großen, oftmals sehr gut aufgestellten, aber auch auf die kleinen Unternehmen zukommen werde. Die Professoren der FH Westküste boten dabei nochmal ihre Unterstützung für Betriebe in der Region an.

Martina Hummel-Manzau wertete das Forum als Erfolg im Hinblick auf die Bildung und Festigung eines Logistiknetzwerks: „Mit uns, der FH Westküste und der Logistik Initiative, aber auch Kravag, SVG Hamburg und der aktiven Einbindung von Lufthansa Industry Solutions, haben wir eine Partnerstruktur aufgebaut, von der die Logistikbetriebe im Norden stark profitieren können. Dies gilt ganz besonders im Hinblick auf die Herausforderungen durch die Digitalisierung“, erläuterte die Egeb-Geschäftsführerin.