Nachbarn

Multimobilität emotional diskutiert

Von Friedrich-Wilhelm Trottmann 

Büsum - Beim Klönschnack des Seniorenbeirats im Casino am Rosengrund trug Heinke Ehlers zur Einstimmung die plattdeutsche Geschichte „Von der Würdigkeit“ von Reimer Bull vor, und alle sangen gemeinsam „Dat du min Leevsten büst“. Thema war danach Mobilität. 

Vorsitzender Karl-Heinz Papenfuß bat zunächst um Anregungen, die an die Gemeinde weitergeleitet werden sollten. Die wegen der Bauarbeiten am Watt‘n Hus ausgesetzten Bürgerversammlungen werden vermisst. Die Ampelanlage am Neuen Weg sei ohne akustische Einrichtung für hör- und sehgeschädigte Personen ein gefährlicher Punkt, da von der Heider Straße kommende Radfahrer auf den Fußweg geleitet werden. Das grüne Zeichen Radfahrer in der Ampel sei irritierend. Die Abstände der Lampen bei der neuen Beleuchtung seien zu groß, die Ausleuchtung der Gehwege verbesserungswürdig. Tanzveranstaltungen werden vermisst. Die Abstufung im neuen Saal des Watt‘n Hus sei kein barrierefreier Abgang, eine mobile Rampe wurde angeregt.

Papenfuß freute sich, dass die Nachbarschaftshilfe den Gemeindesaal der katholischen Kirche als neue Begegnungsstätte mit barrierefreiem Zugang benutzen dürfe; auch für den Klönschnack eine Option. Die Absicht der Gemeinde, den Fahrradverkehr auf der Friedrich-Paulsen-Straße künftig auf die Fahrbahn zu verlegen, fand keinen Zuspruch, da ein neues Gefährdungspotential entstehe. Bei der Kreuzung mit der Otto-Johannsen-Straße empfahl Papenfuß die Aufnahme von Sichtkontakt, um sicher zu queren. Der tote Winkel als Gefahr für Fußgänger und Fahrradfahrer wurde ebenso thematisiert wie der von Autos ständig benutzte Fahrradstreifen. Es wurde angeregt, die Bahnhofstraße als Einbahnstraße mit Radweg neu zu gestalten, ebenso einheitlich alle Einbahnstraßen auch entgegengesetzt für Radfahrer freizugeben. Gäste praktizierten das schon lange.

Das Thema Multimobilität wurde emotional diskutiert. Die Abgabe des Führerscheins im Alter sei wegen fehlender Alternativen nicht immer ratsam, die einjährige freie Nutzung des ÖPNV zu wenig. Besonders in der Fläche fehle es an Möglichkeiten, von A nach B wie Arzt, Apotheke, Klinik und Kaufmann zu kommen. Bürgerbus, Rufbus oder Mitfahrerbänke seien oft nicht verfügbar, um termingerecht Erledigungen machen zu können. Die Nachbarschaftshilfe bringe ungeahnte Möglichkeiten, die fleißig genutzt werden. Auch die Vernetzung untereinander sei hilfreich. Die Freiheit, auch im Alter weiter Auto zu fahren, sollte selbstkritisch hinterfragt werden. Die Konsultation des Hausarztes zu dieser Frage sei ratsam, ebenso der jährliche Sehtest. Der deutsche Verkehrssicherheitsrat gebe als Tipp das Verkehrssicherheitstraining für Senioren mit auf den Weg.