Nachbarn

Mythen und Tatsachen

Von Andreas Guballa 

Meldorf - Digitale Unterwelt, Tummelplatz für Kriminelle: Um das Darknet, das dunkle Netz, ranken sich viele Mythen. Spätestens, nachdem bekannt wurde, dass der Münchener Amokläufer David S. sich 2016 seine Tatwaffe im Darknet beschaffte, ist dessen Existenz einer breiten Öffentlichkeit bekannt. 

Was sich aber genau dahinter verbirgt, wissen die wenigsten. In seinem Vortrag brachte der Berliner Autor und Journalist Stefan Mey in der Ditmarsia auf Einladung der VHS Meldorf und lokal.digital Licht ins dunkle Internet. Voraussetzung für die Nutzung des Darknets ist die Verwendung eines speziellen Internet-Browsers, der mithilfe der sogenannten Onion-Technologie anonymes Surfen ermöglicht. Der Datenverkehr läuft über eine Reihe von zufällig ausgewählten Internet-Knoten, die verschlüsselt wie die Schichten einer Zwiebel übereinander liegen und dadurch verhindern, dass zurückverfolgt werden kann, von wem eine Webseite aufgerufen wurde.

Überraschend für viele der interessierten Zuhörer war die Erkenntnis, dass das Darknet, dem düsteren Namen zum Trotz, keineswegs zu verbrecherischen Zwecken entstand, sondern aus der Idee eines freien und unzensierten Internets, von dem wir heute weiter entfernt sind als in seinen Anfangsjahren. Denn, so Stefan Mey, gesammelte Daten verleihen Macht, und Macht kann auch missbraucht werden, beispielsweise durch totalitäre Systeme oder auch durch marktbeherrschende Konzerne. Die Anonymität des Darknet kann daher auch demokratischen Werten und dem Bemühen um Gerechtigkeit dienen, indem es beispielsweise einen geschützten Raum für die freie Meinungsäußerung oder für die Offenlegung unrechter Machenschaften ermöglicht. So gibt es im Darknet Foren von Menschenrechtsgruppen und abhörsichere Postfächer großer Medien für Whistleblower, deren Tun zwar sozial erwünscht, aber dennoch strafbar ist.

Weil das Darknet auch kriminellen und illegalen Machenschaften einen geschützten Raum bietet, steht es regelmäßig im Fokus der Fahnder. Aber selbst dieser Nutzung lassen sich manchmal positive Aspekte abgewinnen. Im Gegensatz zum herkömmlichen Schwarzmarkt für illegale Substanzen, bei dem minderwertige Waren zahlreiche Opfer fordern, gibt es im Darknet eine Qualitätskontrolle durch Nutzerbewertungen. Der Vortragende ließ seine Zuhörer sensibilisiert dafür zurück, dass es mit dem Darknet nicht anders ist als mit anderen Technologien: Nicht die Technologie an sich, sondern die Art der Nutzung entscheidet darüber, ob sie Segen oder Schaden stiftet.