Nachbarn

Natur, Landschaft und Kunst

Von Anita Lorenz

Heide - Der Bürgerverein startete mit 49 Personen zu einem interessanten Nachmittagsausflug. In gemütlichem Tempo, auf Nebenstraßen mit vielen schönen Ausblicken im Naturpark Aukrug auf die erwachte Natur und durch die in Mittelholstein gelegene Stadt Nortorf erreichten die Teilnehmer Langwedel am Brahmsee. 

Sie besuchten das Grundstück des ehemaligen Ferienhauses der Familie Schmidt und den „Urwald“. Das brachliegende Roggenfeld erwarben Helmut und Loki Schmidt 1976. Loki Schmidt überließ es der Natur. So entstand ein „Urwald“ mit heute etwa 15 bis 20 Meter hohen Birken und vielen Pflanzen und Tierarten. Die Reisenden hatten die Möglichkeit auf einem Trampelpfad durch den Wald zu gehen und sich an der Natur zu erfreuen. Tochter Susanne Schmidt schenkte das siebeneinhalb Hektar umfassende Gelände der Loki-Schmidt-Stiftung mit der Auflage, es weiterhin der Natur zu überlassen. Zwischenzeitlich wurde auch das Ferienhaus samt Grundstück verkauft.

Nach der Stippvisite an den Brahmsee machten sich die Ausflügler auf den Weg nach Neumünster, dem eigentlichen Ziel des Nachmittags. Bei der Ankunft faszinierte die Besucher ein skulpturaler Glaszaun, der an Spitzengardinen oder -decken erinnerte, des Künstlers Olaf Nicolai und der Blick auf die Jugendstilvilla Wachholtz, die 1903 vom Buntpapierfabrikanten Paul Ströhmer nach Entwürfen des Kirchenbaumeisters Hans Schnittger errichtet wurde. Zunächst stärkten sich die Gäste bei Kaffee und leckeren Torten in einem Café in der Villa Wachholtz, bevor sie den am Flüsschen Schwale gelegenen Skulpturenpark internationalen Zuschnitts enterten.

Die 2001 gegründete Gerisch-Stiftung mit Sitz in Neumünster verwaltet das einmalige Kulturengagement. 2002 begann das Ehepaar Gerisch kontinuierlich, eine Skulpturensammlung mit sehr unterschiedlichen Arbeiten aufzubauen, die behutsam in den drei Hektar großen Landschaftspark des Stifterpaares integriert wurde. Bei einem geführten Rundgang erfuhren die Besucher Wissenswertes über die Künstler und ihre Motivation zur Erstellung der Kunstwerke. Angrenzend an den Skulpturenpark stellte der Lübecker Gartenarchitekt Harry Maasz einen historischen Reformgarten wieder her. Ihm gelangen die Übergänge zwischen dem bestehenden, im Stil eines englischen Landschaftsgartens angelegten, ehemaligen privaten Terrain mit verschlungenen Wegen, Holzbrücken und Seerosenteichen bestückten Skulpturenpark und dem Reformgarten.

Da die Villa Wachholtz stark sanierungsbedürftig war, übertrug die Stadt Neumünster sie 2004 der Herbert-Gerisch-Stiftung in Form einer Zustiftung. Die 700 Quadratmeter große Villa wurde 2006 und 2007 aufwendig restauriert. Sie dient nun Wechselausstellungen zeitgenössischer Malerei, Grafik-, Fotografie-, Skulptur- und Videokunst. Gerade stellte der Bildhauer Manfred Sihle-Wissel anlässlich seines 85. Geburtstags einen großen Teil seiner Werke aus. Er schuf auch die vor Kurzem enthüllte Bronzeplastik des Portraits Klaus Groths in Heide sowie bereits 2006 eine Büste des Kunstmäzen und Stiftungsgründers Herbert Gerisch, die seit seinem Tod 2016 im Foyer der Villa die Gäste begrüßt. Die Portraits nehmen einen eigenen Sektor seines Schaffens ein. Sie sind für ihn eine viel Anspannung lösende Lust am Sich-einfühlen in individuelle Formen. Es gelingt ihm bewundernswert. Ein kurzer Besuch im Museumsshop mit netten Geschenkideen beendete den Aufenthalt in dem wunderschönen Ambiente aus Natur, Landschaft und Kunst.