Nachbarn

Reisebericht folgt Regularien

Von Friedrich-Wilhelm Trottmann 

Büsum - Der Seniorenbeirat lud zum monatlichen Klönschnack in das Sportcasino am Rosengrund ein, und es kamen viele Interessierte. Leonie Johannsen, Vorstandsmitglied des Jugendparlaments, wurde besonders begrüßt. 

Das gemeinsame Singen des Liedes „Wo de Nordseewellen trecken an den Strand“ brachte die richtige Stimmung in das Treffen. Bevor Karl-Heinz Papenfuß als Vorsitzender Kaffee und Kuchen beim Klönen freigab, galt es einige Regularien abzuarbeiten. Ilse Kruse und Ilse Lukmann erhielten als Dank für ihren ehrenamtlichen Einsatz jeweils einen kleinen Blumenstrauß überreicht. Eine neue „Kletterwand“ am Hauptstrand erregte einige Gemüter, die den Hochwasserschutz während des Schwimmbadumbaus sicher stellen soll, jedoch für mobilitätseingeschränkte Personen ein unüberwindbares Hindernis darstelle. Auch seien die Serpentinen zum Wasser für E-Rollstühle nicht geeignet. Die Wende sei zu eng. Die Verlegung des Wochenmarkts vom Lehnsweg auf den Brunnenplatz wurde vehement aus vielerlei Gründen abgelehnt. Nur eine Stimme war dafür und eine Enthaltung war zu verzeichnen. Die gute Zusammenarbeit in der Nachbarschaftshilfe mit der Partnerstadt Kühlungsborn wurde ebenso thematisiert wie die Anträge an das 31. Altenparlament über flächendeckende Mobilität, ehrenamtliche Initiative gegen die Einsamkeit sowie das neue Wappen des Vereins.

Dann berichtete Papenfuß über einen Ausflug mit seinem 20 Jahre alten Reisemobil, das ihn schon drei Jahre mobil hält und 400000 Kilometer auf dem Tacho hat, nach Santiago de Compostela. Er kam nicht auf Schusters Rappen ans Ziel, was mit Glauben und Pilgern zu tun hat, sondern über kleine Straßen abseits der großen Straßen. Er besuchte kleine Dörfer mit sehr schönen Kirchen, ebenso bewundernswerte Kathedralen und Klöster. Überall waren Wegweiser zum Ziel vorhanden, und einen ganz alten fand er am Wegesrand. Er kam ins Gespräch mit Geistlichen und Jugendlichen und merkte sehr schnell, dass der Mensch nicht nur vom Brot alleine lebt. 

Papenfuß wurde von einem Pater ermutigt, seine braune Kutte anzuziehen und den Weg zum Ziel darin zu vollenden. Es waren viele auf dem Weg. Aber in Santiago de Compostela und Umgebung war Tourismus pur zu verzeichnen. Busladungen mit leicht bekleideten Menschen und deren Sandalen deuteten nicht gerade darauf hin, dass sie den Jakobsweg gegangen waren. Bilder von freilaufenden Pferden mit Glocken um den Hals, christliche Symbole am Wegesrand, stundenlang singende Menschen und alte Dörfer abseits der eigentlichen Route vermittelten den Eindruck einer Reise, die individueller nicht sein konnte. Er gelangte mehrfach an Stellen, wo wohl die Welt zu Ende war. Er konnte mit dem Auto nicht wenden und durfte mehrere Kilometer rückwärts fahren. 

Eine Übernachtung an einer Bucht mit rauschenden Wellen allein auf weiter Flur war eine überragende Erinnerung. Ohne sein Wissen geriet er in Biarritz in den G7-Gipfel. Es war ihm ein Graus. Der Höhepunkt seiner Reise aber war Taize, ein 179-Einwohner-Ort in Frankreich, der ihn sehr fesselte und eine Woche dort bleiben ließ. Tatsächlich war der Weg das Ziel. Papenfuß fesselte seine Zuhörer mit seiner unnachahmlichen Art, als seien sie dabei gewesen.