Nachbarn

Spektakuläre Fälle

Von Friedrich-Wilhelm Trottmann 

Meldorf - Anne Ohlsen, Vorsitzende der Seniorenunion, lud zum Thema „Bei uns lebt es sich sicher, aber es war nicht immer so“ ein. Der pensionierte Polizeihauptkommissar Günther Santjer sprach im Restaurant Zur Erheiterung über die Kriminalität in den 70er-Jahren. 

Santjer begann seine Laufbahn nach der Ausbildung in Eutin 1969 in Brunsbüttelkoog und war dann von 1972 bis 1989 Dorfsheriff in Büsum. Bis zu seiner Pensionierung 2005 wurde er in Heide hauptsächlich für Prävention und Öffentlichkeitsarbeit eingesetzt. „Eine kriminalitätsfreie Gegend gibt es nirgendwo, selbst auf Grönland nicht“, sagte Santjer, der auch den Weißen Ring thematisierte. Denn jedes Verbrechen hinterlasse Spuren bei den Opfern. 

Santjer berichtete über spektakuläre Fälle, wie die Ermordung einer Urlauberin im Sommer 1974 in Büsum und die Geiselnahme eines Büsumer Apothekers im gleichen Jahr. 1978 wurden Polizisten selbst Opfer eines Verbrechens. Angetrunken brach nachts ein Jugendlicher ins Büsumer Polizeigebäude ein, um Geld aus der Kaffeekasse für Zigaretten zu holen. Er legte Feuer, um seine Straftat zu verdecken. Ein Neubau wurde nötig, da der Schaden groß war. Santjer berichtete von einer weiteren Geiselnahme, während der ein 17-Jähriger zwei Polizisten, einer davon Santjer, die Waffen abnehmen wollte. Das gelang ihm jedoch nicht. Ihm wurde ein Auto angeboten, und er floh mit einer Geisel über Heide nach Fockbek, wo er gestoppt wurde, nachdem er seine Geisel freigelassen hatte. 

Heute funktioniert die Betrugsmasche mit falschen Polizeibeamten und dem Enkeltrick immer wieder. Allein in Schleswig-Holstein ist dabei ein Schaden von mehr als fünf Millionen Euro in den vergangenen fünf Jahren entstanden. Opferhilfe, wie die des Weißen Rings, sei wichtig. Santjer verzichtete auf ein Honorar, stellte jedoch eine Spendenbox zugunsten des Weißen Rings auf, die fleißig gefüllt wurde.