Nachbarn

Telefonat mit Bild

Von Andreas Guballa 

Schafstedt - Die Coronakrise trifft gerade die ältere Generation in Pflege- und Betreuungseinrichtungen besonders hart. Veränderte Verhaltensregeln wie Zugangsbeschränkungen und Kontaktverbote sollen einerseits die Bewohner, andererseits die Pflegekräfte schützen. 

Sie könnten aber auch dazu führen, dass die Erhaltung der Gesundheit mit Isolation und Einsamkeit der Pflegebedürftigen bezahlt wird. Diese Situation ist für alle Beteiligten nicht einfach. Um trotz der Einschränkungen den direkten Kontakt zwischen Angehörigen und Heimbewohnern aufrecht zu erhalten, hat der Offene Kanal Schleswig-Holstein (OKSH) mit organisatorischer Unterstützung der Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein das Projekt „Fenster zur Familie“ ins Leben gerufen.

„Social Distancing muss nicht in der völligen Isolation enden“, weiß OKSH-Leiter Peter Willers. An den Standorten Kiel, Lübeck, Flensburg und Westküste verleiht der Bürgersender kurzfristig jeweils fünf bis acht Tablets kostenlos an Pflege- und Seniorenwohneinrichtungen, auf denen eine App vorkonfiguriert ist, mit denen die Heimbewohner mit ihren Angehörigen per Videotelefonat kommunizieren können. Die Pflegefachpersonen sind dabei als Vermittler tätig. Erforderlich ist ein WLAN-Zugang. „Ein Telefonat mit Bild hat eine größere emotionale Wirkung als ein reiner Anruf“, sagt Studioleiter Andreas Guballa aus Heide. „Das Gefühl von Nähe wird verstärkt, was auch einen positiven Effekt auf die Stimmung hat. Unmut darüber, den Kontakt zu den Liebsten zu verlieren, kommt gar nicht erst auf.“

Um sowohl Angehörige als auch Pflegekräfte in der Bedienung technisch zu unterstützen, bietet der Offene Kanal SH eine Videosprechstunde an. Auch stehen auf www.oksh.de/mk-fuer-senioren/fenster-zur-familie Tutorials zum Download zur Verfügung, die zum Beispiel Angehörigen dabei helfen, die für das Videotelefonat benötigte App auf dem eigenen Smartphone oder Tablet einzurichten. Gibt es Probleme bei der Anwendung in der Betreuungseinrichtung kann das Tablet durch den OKSH bei Bedarf auch aus der Ferne gewartet und bedient werden.

In einem ersten Schritt spricht der Offene Kanal vor allem kleinere Pflege- und Betreuungseinrichtungen an, da es dort einfacher ist, eine kontinuierliche Ansprechperson für das Projekt zu finden. Vor Kurzem übergab OK-Leiter Andreas Guballa ein Tablet ans Seniorenheim am Kanal in Schafstedt. Interessierte Senioreneinrichtungen und Angehörige finden alle Informationen und den Kontakt zu den örtlichen Ansprechpartnern auf okwestkueste.de/aktuelles.