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Themengottesdienst Landwirtschaft

Von Ralf Kühl

Süderhastedt - Die Kirchengemeinde Süderhastedt feierte einen Gottesdienst zum Thema Landwirtschaft. Die Idee dazu entstand aufgrund der widrigen Witterungsbedingungen im Sommer und Herbst 2017, die das Einbringen der Ernte und auch die Aussaat von Wintergetreide extrem schwierig gestalteten. 

Der Gottesdienst hatte zum Ziel, für gute Wetterbedingungen in 2018 zu beten, gleichzeitig den Bauern Zuversicht für das kommende Jahr zu geben und den nicht so stark mit der Landwirtschaft verbundenen Gottesdienstbesuchern einen Einblick in das Leben auf den Bauernhöfen zu geben. Dazu gab es mehrere Beiträge aus den Reihen der Landwirtschaft. Hauke Köhler berichtete über seine langjährige Arbeit als landwirtschaftlicher Betriebshelfer. Während dieser Zeit unterstützte er auf einigen Betrieben mehrere Generationen tatkräftig und erlebte den technischen Wandel mit. 

Die heute noch aktiven Betriebe sind im Laufe der Jahre um ein Mehrfaches gewachsen, viele andere haben dagegen den Betrieb eingestellt und dadurch das Wachstum der verbleibenden Betriebe ermöglicht. Landwirt Thies Kühl stellte den Strukturwandel innerhalb des Dorfes und in der Landwirtschaft insgesamt dar. 1979 gab es in Süderhastedt 34 landwirtschaftliche Betriebe, aktuell noch elf, also knapp ein Drittel. Während ein Landwirt mit seinen Erzeugnissen um 1900 vier Menschen ernährte, sind es heute mehr als 150. Die verbliebenen Landwirte stehen zugleich zunehmend im Fokus der Medien, sodass sie sich mehr und mehr als „Buhmann der Nation“ fühlen.

In einem zweiten Themenblock veranschaulichte Landfrauenvorsitzende Inge Schmidt-Sellenthin die Probleme, die sich 2017 aus den üppigen Regenmengen ergaben. Die Getreideernte musste an wenigen trockenen Tagen regelrecht vom Feld gestohlen werden, und die Ernte von Kartoffeln und Zuckerrüben im Herbst war – wenn überhaupt - nur mit massivem Einsatz von starken Traktoren möglich. Die Früchte wurden zwar weitgehend geerntet, die Strukturschäden an den Böden werden aber auch in den nächsten Jahren noch ihre Spuren hinterlassen. Die Aussaat von Wintergetreide war aufgrund der Nässe auf vielen Flächen nicht möglich und dort, wo die Aussaat noch geklappt hat, sind die jungen Pflanzen stark von Staunässe beeinträchtigt worden. Für die Flächen, die jetzt notgedrungen mit Sommergetreide bestellt werden müssen, steht nicht genügend Saatgut zur Verfügung. Beides führt dazu, dass auch für 2018 eine schlechte Ernte zu erwarten ist.

In seinem Beitrag über das Ansehen der Landwirtschaft in der öffentlichen Meinung griff Ralf Kühl einige Dinge auf, die eng mit dem von den Vorrednern dargestellten Strukturwandel zusammenhängen. Während die Landwirte früher einen wesentlichen Anteil der Dorfbevölkerung ausmachten und die öffentliche Meinung mitprägten, sind sie heute in manchen Dörfern nur noch eine Randgruppe, die von vielen Mitbürgern und auch von den Medien sehr kritisch beobachtet wird. Dadurch entstehen für die Betroffenen psychische Belastungen, die schwerwiegender sein können als die Wetterkapriolen des vergangenen Jahres.

Prediger Johannes Freimann leitete den Gottesdienst in Vertretung für den im Urlaub weilenden Pastor Alfred Sinn. Zu Beginn seiner Predigt zog er demonstrativ Gummistiefel an. Seine Aussage dazu lautete: „Wenn man jemand anderen verstehen will, dann muss man dessen Stiefel anziehen, will heißen, sich dessen Blickwinkel zu eigen machen.“ Passend zur Witterungsproblematik stellte er in seiner Predigt den nach der Sintflut zwischen Gott und Noah geschlossenen Bund in den Vordergrund: „Von nun an, alle Tage der Erde, sollen nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.“ Insofern besteht trotz der aktuell unbefriedigenden Situation genügend Anlass, wieder auf bessere Zeiten zu hoffen.

Der Gottesdienst wurde von vielen Bauernfamilien aus Süderhastedt und Umgebung besucht und fand eine durchweg positive Resonanz. Insofern wird es in Süderhastedt auch in Zukunft solche Gottesdienste zu besonderen Themen geben.

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