Nachbarn

Ungewöhnliche Form der Wissensvermittlung

Von Sabine Schwartz

Meldorf – Vor der Gemeinschaftsschule parkt ein schlickgrauer Kleintransporter mit großer Aufschrift „Knutt“, dazu Embleme und Sticker zum Nationalpark Wattenmeer. 

Schließlich trägt sein Fahrer Unmengen von Utensilien in das Forum der GMS. Dazu zählen Gummistiefel, tief in einem Wattboden steckend, Inselmodelle in ihrer unverkennbaren Form und den Wattenmeer-Inseln Dänemarks, Deutschlands und den Niederlanden zuzuordnen. Es folgen Karten, Muscheln und fünf Kisten mit geheimnisvoll verdecktem Inhalt. 

Alle Watt-Zutaten werden mit sicherem Blick zur größtmöglichen Raumnutzung im Forum drapiert. „Super, einfach klasse – über den gestuften Zuschauerraum lässt sich leicht der Kontakt zum Publikum herstellen. Da gehe ich mitten hinein“, zeigt sich Vasilios Zavralis, Schauspieler der Jungen Landesbühne Niedersachsen, begeistert. Gleich wird er sich der Herausforderung stellen, in einer Verknüpfung von Theater und Naturwissenschaft Jugendliche für naturwissenschaftliche Themen zu faszinieren. Das sei vorweg gesagt: Diese Herausforderung gelingt ihm in seiner Rolle als Knut mit Bravour. Nicht nur die Schüler gingen förmlich mit und tauchen ein in Knuts Welt der „Knutts“ und Watt-Bewohner, auch die Lehrkräfte waren voll der Überraschung. „Das war einmalig. Damit habe ich nicht gerechnet. Meine Klasse – und alle sind ausgebildete Junior-Ranger – hing Knut und seinen „Knutts“ über das Theaterspiel hinaus förmlich an den Lippen“, sagt Biologielehrerin Birte Knudsen.

Worum geht es in diesem Natur-Theater? „Knutt“ ist ein Stück über die Wunder der Vogelwelt und vogelfanatische Väter. Knut hilft seinem Vater bei seinem Vortrag über die Vögel im Wattenmeer. Er hat schon alles vorbereitet. Aber sein Vater ist immer noch nicht da. Knut fängt an, so gut er kann, den Vortrag seines Vaters zu halten. Glücklicherweise hat er sich viel von dem gemerkt, was sein Vater ihm erzählt hat und das Publikum aus den fünften und sechsten Klassen kann ihm ebenfalls fachkundig helfen. Aber wo bleibt sein Vater? Endlich erreicht Knut ihn. Er hat den Termin vergessen und ist in Sibirien in der Tundra, bei einem Nest mit jungen Knutts! Jetzt muss Knut es alleine schaffen. Genau wie die kleinen Vögel, die ohne Eltern von Sibirien bis zum Wattenmeer fliegen. Eine wunderbare Verknüpfung von Theater und Wissenschaft.

Bleibt noch die Frage nach dem Wertvollsten des Bühnenbildes in den fünf Kisten? Es sind: der Knutt, die Ringelgans, der Sanderling, die Pfuhlschnepfe und der Löffler. Die Schüler vertieften gebannt ihr Wissen über die Vogelwelt im Unesco-Weltnaturerbe, über die Verbindungen der Tankstelle Wattenmeer mit dem Winterquartier in Afrika und den Brutgebieten in Sibirien. Sie ließen sich einfangen von der Stärke, auf eigenen Flügeln seinen Weg zu finden.

„Knutt“ hatte im November 2019 in Hamburg Premiere und mit dieser Aufführung im Forum der Gemeinschaftsschule seinen Einstand in Dithmarschen. Fazit des Gesamtpublikums der Gemeinschaftsschule: Prädikat - überaus empfehlenswert.