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Viertklässler auf Zeitreise

Von Brigitte Petersen 

Wesselburen - Gerade noch rechtzeitig konnten Schüler der 4b der Grundschule Wesselburen das Landesmuseum Meldorf besuchen, bevor sie in die verlängerten Osterferien entlassen wurden. Gut vorbereitet auf den Besuch im Museum begaben sie sich auf eine spannende Zeitreise. 

Im Landesmuseum erlebte die Klasse Unterricht wie vor 100 Jahren in einem Klassenzimmer mit historischen Schulbänken. Wie war es denn in der Schule vor mehr als 100 Jahren? „Fräulein Lehrerin“ empfing die Klasse in einem der damaligen Zeit entsprechenden langen schwarzen Kleid und mit Bambusstock. Nach einer kurzen Vorstellung und Erklärung der Regeln betraten die Kinder den Klassenraum,  immer zu zweit und streng getrennt nach Jungen und Mädchen. Die Schüler begaben sich an ihre Plätze. Nach einem im Chor gesagten „Guten Morgen, Fräulein Lehrerin“ durften sich alle setzen. 

Die Kinder wurden im Vorwege von Caroline-Katharina Elsner und Klassenlehrer Sven Reimers sehr gut auf den speziellen Unterricht vorbereitet. Sie hatten die Art des Unterrichts vor 100 Jahren im Laufe mehrerer Schulstunden kennen gelernt. Sehr aufmerksam verfolgten sie die Erläuterungen von „Fräulein Lehrerin“ über das damalige Schulwesen. Die Kinder stellten fest, dass es sehr große Unterschiede zum heutigen Schulalltag gibt. So berichtete „die Lehrerin“, dass es nicht so wichtig war, dass die Mädchen in die Schule gingen und überhaupt maßen die Eltern der Schule damals nicht die Bedeutung bei, die sie heute hat. 

Nach dem Unterricht wurde damals zu Mittag gegessen und dann nicht etwa für die Schule gelernt, sondern es wurden die unterschiedlichsten Arbeiten ausgeführt. Die Mädchen halfen im Haushalt, die Junge auf dem Hof und in der Werkstatt. Die Kinder wurden auch nicht mit dem Auto in die Schule gefahren. Sie mussten zu Fuß gehen. Geschrieben wurde auf Schiefertafeln. Bücher oder Hefte gab es nicht. Die waren viel zu teuer. Das Zu-spät-kommen, während des Unterrichts schwatzen, reden, wenn man nicht gefragt wurde, all das zog harte Strafen, auch mit dem Stock, nach sich. Wie anders geht es heute in den Schulen zu. Dennoch waren die Kinder, obwohl es sich nicht um richtigen Unterricht handelte, sehr aufmerksam und eifrig dabei. Selbst zu erleben, wie es damals war, war doch viel interessanter als nur darüber zu lesen oder zu hören. 

Kontrolle der Sauberkeit, dezentes Melden, nicht einfach aufstehen und zur Toilette gehen, sondern fragen. Das alles wurde in dieser Stunde praktiziert. Selbst das Lesen und Schreiben der alten deutschen Schrift auf bereitgestellten Schiefertafeln und das Rechnen mit dem Abakus, ein Rahmen mit Holzkugeln für die Grundrechenarten, war Bestandteil der historischen Schulstunde. Ebenso das Schimpfen der Lehrkraft, wenn es nicht so gut klappte mit dem Lesen oder Rechnen. Notfalls wurde mit dem Bambusstock nachgeholfen. Natürlich wurden die heutigen Viertklässler nicht wirklich geschlagen, aber dennoch bekamen sie einen Eindruck vom Schulalltag. 

Nach dem Ende der Schulstunde beantwortete das „Fräulein Lehrerin“ noch viele Fragen der Viertklässler. So erfuhren sie, dass es keine Pausenbrote gab, höchstens einen Apfel. Es gab damals keine Klassen im heutigen Sinn. Alle Schüler jeden Alters saßen in einem Raum und wurden gemeinsam unterrichtet. Schläge mit dem Rohrstock und In-der-Ecke-stehen waren Mittel der Erziehung. 

Die Schüler sahen sich anschließend noch die Ausstellung im Museum an. Sie hatten großes Interesse an der alten Zeit. Danach ging es zurück nach Wesselburen, in die Schule der Neuzeit. Die Fahrtkosten übernahm die Stiftung Kinder des Windes. Das Museum bietet den historischen Unterricht für die Jahrgangsstufen eins bis vier an. Es können sich weitere Schüler auf eine spannende Zeitreise begeben, sobald das Museum wieder geöffnet hat.