Nachbarn

Wenn die grauen Zellen streiken 

Von Friedrich-Wilhelm Trottmann

Büsum – Lag es an dem allgemein interessierenden Thema „Was tun gegen Gedächtnisstörungen?“, auf jeden Fall war das Casino am Rosengrund beim monatlich stattfindenden Klönschnack des Seniorenbeirats rappelvoll.

Seniorenbeiratsvorsitzender Karl-Heinz Papenfuß stimmte die Anwesenden mit einer interessanten Geschichte aus dem Buch von Jörg Zink „Ich werde gerne alt“ auf das Thema ein und Heinke Ehlers setzte mit einer über 100 Jahre alten Geschichte über Wohnungsnot auf Plattdeutsch noch einen oben drauf, bevor der eingeladene Facharzt für Arbeitsmedizin Detlef Glomm aus Meldorf als Referent das Wort ergriff.

Glomm, der neben Medizin auch Psychologie und Sozialwissenschaften studiert hatte, betonte gleich anfangs seiner interessanten Ausführungen, dass Engagement im Alter gegen Gedächtnisstörungen wichtig sei. Das Arbeitsgedächtnis kann sieben Informationen gleichzeitig verarbeiten, es nimmt ab dem 30. Lebensjahr ab und Senioren können nur noch vier bis fünf Informationen gleichzeitig verarbeiten. Das nennt man Multitasking. Von den 1000 Informationen, die pro Sekunde auf den Körper einwirken, gelangt nur eine kleine Auswahl ins Bewusstsein. Das Kurzzeitgedächtnis kann Eindrücke ungefähr drei Sekunden speichern, diese gelangen dann entweder in einen Zwischenspeicher oder sie sind unwiederbringlich verschwunden. Tiefschlaf und Traumschlaf spielen eine entscheidende Rolle für die Komprimierung, dauerhafte Speicherung und neue Verknüpfung. Das Vergessen dient der Entrümpelung des Gedächtnisses und Effizienzsteigerung. Bei Bedarf werden Nervenzellen bis ins Alter von 85 Jahren neu gebildet, wenn sie im Gehirn benötigt werden.

Ein älterer Mensch kann schlechter an viele Dinge gleichzeitig denken, sich lange Zeit am Stück ohne Pause konzentrieren, neue Fremdsprachen lernen oder sich bei Störungen wie Lärm und Musik konzentrieren. Besser als jüngere kann er angesammelte Erfahrungen und Kenntnisse nutzen, Entscheidungen und Erfahrungen oft fundierter vertreten und umsetzen. Kommunikative Fähigkeiten sind häufig besser ausgeprägt und eigene Möglichkeiten und Grenzen werden besser eingeschätzt. Letztlich gewinnen und verlieren wir in der Partie Alter gegen Gedächtnis, wobei die Rechnung im Ganzen gesehen noch zu unseren Gunsten ausgeht bis zum biologischen Alter von 85 Jahren.

Der Krankheitsverlauf einer Alzheimer-Demenz erstreckt sich oft über 30 Jahre. Es braucht oft 10 Jahre, manchmal auch 30 Jahre, bis die Symptome offensichtlich werden. Die Ursache der Demenz ist zu 65 Prozent Morbus Alzheimer und zu 15 Prozent Multiinfarkt-Demenz. Hinweise auf Demenz sind das Suchen nach Begriffen. Die Betroffenen sind rasch erschöpfbar, zeigen veränderte Aktivität, sind schnell überfordert, unerwartet aggressiv, wagen sich nicht mehr unter Menschen, stellen mehrfach die gleiche Frage und legen Dinge am falschen Platz ab, wie die Geldbörse im Kühlschrank. Symptome sind auch Abnahme oder Verlust vom Geruchssinn, Kurz- und Langzeitgedächtnis, Persönlichkeitsveränderungen und Einschränkung des Urteilsvermögens.

Glomm betonte, jedes Organ, das nicht genutzt wird, verkümmert. Das gilt nicht nur für Muskeln, sondern auch für das Gehirn. Werden beispielsweise verordnete Hörgeräte nicht getragen, so verkümmert das Hören umso mehr. Chancen besser zu werden sei nicht nur ein Hobby zu suchen, sondern Aufgaben zu suchen, wo Wissen und Erfahrungen eingebracht werden, was ihnen am Herzen liegt. So wird das Gehirn völlig neu reaktiviert, auch sportliche Aktivitäten lassen im Alter zu Hochform auflaufen, man solle sich mit jungen Menschen umgeben und soziales Engagement zeigen. Bleiben Sie aktiv bis ins Alter war der finale Tipp vom hervorragenden Referenten, dem Arbeitsmediziner Detlef Glomm, nach einer intensiven Diskussion.