- Wort zum Sonntag -

Blick durchs Schlüsselloch

Als Kind habe ich gerne durch Schlüssellöcher geschaut. Vor allem Heiligabend, wenn tagsüber keiner mehr ins Wohnzimmer durfte. Wir Geschwister haben uns dann vor der Tür gedrängelt, um wenigstens einen kleinen Blick dahinter werfen zu können. Ich erinnere noch gut dieses Kribbeln im Bauch, nicht mehr warten zu wollen.

Advent ist so eine Art Schlüsselloch. Wir suchen, was wir erhoffen, und wollen endlich sehen, was wir uns wünschen. Vielleicht mehr Zufriedenheit mit dem, was wir haben und sind, weniger Streit in der Familie. Ich hoffe auch auf Gott. Dass er als Mensch zu uns Menschen kommt und wir uns darauf besinnen, wie seine Schöpfung und unser Miteinander einmal gedacht war. Advent ist die kurze Zeit, in der wir schon eine Ahnung davon bekommen.

Als Kinder haben wir durch das Schlüsselloch immer viel zu wenig gesehen. Aber immer wieder haben wir es versucht. Und uns darauf gefreut, dass irgendwann die Tür aufgeht und viele Wünsche erfüllt werden. Noch ist es nicht so weit. Aber bis dahin bleibt uns immerhin der Blick durchs Schlüsselloch.

Michael Warnck, Prädikant in Meldorf

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