- Wort zum Sonntag -

Voll aufgeblendet

Neulich war es warm genug zum Joggen. Aber als der letzte Termin durch war, 21.30 Uhr, war es schon dunkel. Mit einer kleinen Taschenlampe finde ich meinen Weg, auch wenn keine Straßenlaternen Licht geben. Meine Runde führt mich durch die Felder und dann den Fahrradweg zwischen St. Michaelisdonn und Marne zurück. 

Es kommen mir Autos entgegen. Viele FahrerInnen blenden ab, wenn sie mich wahrnehmen. Einige vergessen das oder halten es nicht für nötig, wegen eines Lichtpunktes auf dem Fahrradweg die Scheinwerfer herunterzustellen. Ich sehe dann nichts mehr. Das Licht der Entgegenkommenden blendet so, dass ich meinen eigenen kleinen Lichtfleck auf dem Weg nicht mehr erkennen kann. 

Das Auto war schnell da und schnell weg, und mir kam der Gedanke, dass es genauso zwischen uns Menschen ist. Wir können voll aufgeblendet, mit unserem eigenen Licht und Glanz durch die Welt fahren. Dabei sehen wir auch die anderen, aber wir machen es ihnen schwer, in Ruhe den eigenen Weg zu finden und zu gehen. Wer sein Licht immer strahlen lässt, sollte sich fragen, was er den anderen zumutet. 

Wenn Gott durch Jesus in unsere Welt gekommen ist, dann ist das ein unscheinbares, leicht zu übersehendes Licht. Aber für die, die wirklich im Dunkel des Lebens ihren Weg gehen müssen, ist es genau richtig. 

Jochen Hose, Pastor in Marne

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