Drei Generationen Atemschutzgerätewarte

Tensbüttel-Röst Tobias Ruge Donnerstag, 18. August 2022



Rudolf "Rudi" Friederich trat 1965 in die Freiwillige Feuerwehr ein. 1979 machte er die Ausbildung zum Atemschutzgeräteträger. Mit dem Spruch „Mach mal“ wurde er 1980 zum ersten AT-Wart ernannt, nachdem er die Ausbildung in Harrislee absolviert hatte. Damals hatte die Wehr zwei AT-Geräte im Fahrzeug. Die benutzten, verschmutzten AT-Geräte und Masken musste er zu Hause waschen und instandhalten.

Die leeren Flaschen wurden damals in Brunsbüttel gefüllt. Da es ein Ehrenamt war, gab es - damals wie heute - kein Frei vom Arbeitgeber. Das ist alles Freizeitbeschäftigung. Für Rudi Friedrich war es schwierig, nach der Arbeit nach Brunsbüttel zu fahren, da die Firma dort meist schon Feierabend hatte. In einer Sitzung mit dem damaligen Wehrführer Adolf Heuer, dem Opa des heutigen stellvertretenden Wehrführers Sönke Heuer, und Friedrichs Chef konnte geregelt werden, dass Friedrich auch während der Arbeitszeit Feuerwehrangelegenheiten ausführen konnte. Damals waren Thomas Martens, Volker Block, Th. Christian, Detlef Lindemann und Reinhard Matzat AT-Träger.

1992 übernahm Volker Block den Posten. Von zwei AT-Geräten wurde in seiner Zeit auf acht aufgestockt, und dazu waren zwölf Masken zu verwalten. Geräte und Masken müssen alle sechs Monate in der Feuerwehrtechnischen Zentrale (FTZ) in St. Michaelisdonn geprüft, außerdem nach jeder Übung und jedem Einsatz gereinigt, kontrolliert und geprüft werden. Block musste dafür immer nach St. Michel fahren.

Nach 26 Jahren übernahm Tobias Ruge 2018 das Amt von Block. Wieder hat sich viel geändert. Die acht Geräte blieben, jetzt verfügt die Wehr aber über 19 Masken, eine Atemschutz-Notfalltasche und zwei Sauerstoff-Fluchthauben zur Rettung von Menschen in Not. Im Neubau des Gerätehauses bekam Ruge 2021 eine eigene Atemschutzwerkstatt. Die benutzten Geräte kann er jetzt selber reinigen, desinfizieren und mit dem Maskenprüfkopf auch selber prüfen und einschweißen. Lediglich die leeren Flaschen werden noch in St. Michel getauscht.

Die Tensbüttel-Röster Wehr verfügt heute über zehn taugliche AT-Träger. Knapp die Hälfte ist tagsüber verfügbar. Tensbüttel-Röst macht mit den Wehren Schafstedt und Albersdorf mehrere gemeinsame AT-Übungen jährlich, plus Amtswehrübung. Dabei werden die Kameraden gezielt durchmischt, damit im Ernstfall jeder jeden kennt. Jeder unter 50 Jahren muss alle drei Jahre zur Tauglichkeitsprüfung, zur G26.3, und jährlich zur Belastungsübung auf der Teststrecke in St. Michel. Damit die Tauglichkeit auch in der Verwaltung „grün“ ist, muss jeder jährlich mindestens eine Realübung unter Einsatzbedingungen oder einen Realeinsatz haben.

Friedrich erinnert sich an eine Übung im Silo in Hohenhörn, bei der drei Damen von oben heruntergetragen werden mussten. Die seien nur die erste und letzte Etage getragen worden. Den Rest mussten sie selber laufen. Ruge denkt sich gern schweißtreibende Übungen aus, damit die Fitness erhalten bleibt. „Solange die Jungs meckern, ist alles gut“, meint er. Friedrich fragte zum Schluss, ob denn die Verwaltung mehr geworden sei. Ruge: „Ach, Rudi, ein, zwei Zettel muss ich auch wegheften.“ Jeder AT-Wart in Dithmarschen weiß, was Ruge damit meint.