100 Jahre Haus und Grund

Büsum Friedrich-Wilhelm Trottmann Freitag, 4. November 2022



Der Haus-und-Grund-Ortsverein feierte sein 100-jähriges Bestehen im Watt'n Hus. Nach seiner Begrüßung leitete Vorsitzender Lasse Papenburg zu den Grußworten über. Verbandsdirektor Hans-Henning Kujath betonte, damals hätten sich schlaue Leute zusammengetan, um den Vermietern eine Stimme zu geben.

Aus der Vision sei eine Interessenvertretung geworden, auf die die Gründer stolz sein könnten. Der Landesverband feiere bald das 125-jährige Bestehen und habe mit über 70.000 Mitgliedern in Schleswig-Holstein eine enorme Stimme. Man habe eine gute konstante Arbeit vollzogen, sich stets den aktuellen Gegebenheiten angepasst und sei mit eigener Homepage, auf Facebook und bei Instagram aktiv. Kujath überreichte Papenburg für den Ortsverein als Dank eine Ehrenurkunde.

Bürgervorsteher Gerd Gehrts wies darauf hin, dass es in Büsum nur eine Handvoll Vereine mit so langer Geschichte gebe. Bürgermeister Hans-Jürgen Lütje hob hervor, dass zukünftig deutlich mehr Mittel für den Straßenausbau aufgewendet werden sollen, ohne Straßenausbaubeiträge zu erheben. Papenburg und sein langjähriger Vorgänger Udo Wellm ließen die Entwicklung des heute 393 Mitglieder zählenden Vereins Revue passieren. Bezüglich der Recherche der Vereinsgeschichte lobten sie Archivarin Silke Herbst für ihre Unterstützung.

Die Gründung des Vereins ergab sich aus der Situation für Vermieter in den 1920er-Jahren. Wegen Wohnungsnot beschloss der Reichstag der Weimarer Republik einschneidende Maßnahmen zu Lasten der Haus- und Grundeigentümer. Diese Wohnungsbesitzer wollten ein Gegengewicht bilden, so Papenburg, und gründeten eine Interessenvertretung auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene. Das war auch die Geburtsstunde des Büsumer Ortsvereins am 3. Juli 1922.

Papenburg hatte viel in Ämtern und Archiven geforscht, um die Vereinsgeschichte nachvollziehen zu können. Die in Sütterlin verfasste Satzung der Gründungsversammlung war ebenso dabei wie zahlreiche Zeitungsartikel aus den ersten Vereinsjahren. Daraus ging der erste Mitgliedsbeitrag von 20 Mark hervor, der 1923 inflationsbedingt auf 150.000 Mark anstieg. Es folgte ab 1933 die Gleichschaltung des Vereins und der Austausch des gesamten Vorstands. Nach einer nicht dokumentierten Zeit in den Kriegsjahren wurden durch Haus und Grund in den 50er- und 60er-Jahren Finanzierungsanträge für Reparaturdarlehen bearbeitet und gemeinsam mit der Gemeinde der Anschluss an die Vollkanalisation vorangetrieben.

Die Möglichkeit1960, die Miete zu erhöhen, ein Bericht von der 50-Jahr-Feier 1972, ein Landesverbandstag 1985 in Büsum, ein Vorgarten-Wettbewerb 1990 und zahlreiche Ausflüge zu Landesverbandstagen mit je 40 bis 50 Teilnehmern waren weitere Stationen der Geschichte. Papenburg erinnerte auch an langjährige Vorstandsmitglieder wie Eduard Elsen, der 30 Jahre lang Vorsitzender war, Wilhelm Schmidt, für 20 Jahre Vorsitzender, und Udo Wellm, der über 30 Jahre erster oder zweiter Vorsitzender war, sowie Kurt Winter und Hans Fischer als langjährige Kassenwarte und Brigitte Kunze, die seit mehr als 30 Jahren Schriftführerin ist.

Auch heute habe Haus und Grund noch viele aktuelle und wichtige Themen wie Mietendeckel, Straßenausbaubeiträge, Mieter- oder Nachbarschaftsrecht zu bearbeiten. Papenburg schloss seinen Vortrag mit den Worten: „Sollte es Haus und Grund heute noch nicht geben, dann sollte es spätestens jetzt gegründet werden." Ein gemeinsames Essen und viele interessante Gespräche rundeten die Jubiläumsveranstaltung ab.

Friedrich-Wilhelm Trottmann  3086

Wohne in Büsum und schreibe gerne über alles, was in Büsum geschieht. Werde scherzhaft Rasender Reporter wegen meiner vielen Fotos genannt.

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